…LESUNG: 1. Thessalonicher 5,12-24
Ermahnungen und Grüße
12 Wir bitten euch aber, Brüder und Schwestern:
Achtet, die sich unter euch mühen
und euch vorstehen im Herrn und euch ermahnen;
13 ehrt sie in Liebe umso höher um ihres Werkes willen.
Haltet Frieden untereinander.
14 Wir ermahnen euch aber:
Weist die Nachlässigen zurecht,
tröstet die Kleinmütigen,
tragt die Schwachen,
seid geduldig mit jedermann.
15 Seht zu, dass keiner dem andern Böses mit Bösem vergelte,
sondern jagt allezeit dem Guten nach, füreinander und für jedermann.
16 Seid allezeit fröhlich,
17 betet ohne Unterlass,
18 seid dankbar in allen Dingen;
denn das ist der Wille Gottes in Christus Jesus für euch.
19 Den Geist löscht nicht aus.
20 Prophetische Rede verachtet nicht.
21 Prüft aber alles und das Gute behaltet.
22 Meidet das Böse in jeder Gestalt.
23 Er aber, der Gott des Friedens, heilige euch durch und durch
und bewahre euren Geist samt Seele und Leib unversehrt,
untadelig für das Kommen unseres Herrn Jesus Christus.
24 Treu ist er, der euch ruft; er wird’s auch tun.
Prüft alles und behaltet das Gute.
Autor: Pfarrer Carsten Heß, 30.12.2024
So gern wäre der Apostel Paulus noch länger bei der Gemeinde in Thessalonich geblieben.
Paulus, Silas und Timotheus hatten diese Gemeinde auf ihrer zweiten Missionsreise gegründet.
In dieser hochfrequentierten Multi-Kulti-Stadt – da war monster was los:
Sogar der Römische Prokonsul hatte dort seinen Dienst-Sitz.
Hafenstadt. Wichtige Handelsstraße.
Da pulsierte das kulturelle Leben.
Und natürlich auch alle möglichen Welt-Anschauungen.
Die Apostelgesichte erzählt, dass der Paulus und seine Begleiter in Thessalonich sehr erfolgreich waren. Viele Menschen kamen zum lebendigen Glauben an Jesus Christus.
Das wiederum rief aber auch etliche Feinde des Evangeliums aufs Feld – um so richtig öffentlichen Krawall zu machen. Manche Leute haben ja Spaß an solchen Aktionen.
Um der jungen Gemeinde willen und im Interesse der Sicherheit für Paulus, Silas und Timotheus wurde beschlossen, dass die Missionare noch in derselben Nacht des Aufruhrs abreisen sollten.
Fluchtartig verließen sie die Stadt – und zogen nach Beröa weiter.
Aber auch dorthin sind einige Hardliner dem Paulus und seinem Team nachgereist, um ihnen alle möglichen Steine in den Weg zu legen.
Das war um das Jahr 50 unserer Zeitrechnung.
Aber dem Paulus ging die Gemeinde in Thessalonich nicht aus dem Kopf. Aus Sorge um die Gemeinde schickte er seinen jungen Mitarbeiter Timotheus dorthin zurück.
Nach seiner Rückkehr konnte der Timotheus aber grundsätzliche Entwarnung geben:
Die Thessalonicher waren trotz aller Fragen und Probleme am Glauben drangeblieben.
Damit sie aber mit den praktischen Fragen des Glaubens zukünftig besser klarkommen, gibt ihnen Paulus in seinem Brief wichtige Praxishilfen an die Hand.
Neben wichtigen anderen konkreten Tipps findet sich auch die diesjährige Jahreslosung.
Prüft alles und behaltet das Gute.
Im Jahr 50 in Thessalonich – und im Jahr 2025 bei uns gab und gibt es unzählige Herausforderungen.
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Die Gemeinde in Thessalonich damals – und wir heute – sind gefordert, möglichst gute Entscheidungen zu treffen und auf die richtigen Stimmen zu hören.
Das ist umso wichtiger, weil viele Stimmen sehr vehement auftreten und durch Lautstärke die fehlenden Argumente wettzumachen versuchen.
Hier ist es nötig, gut hinzuhören, zu prüfen und schließlich zwischen Gutem und Bösem zu unterscheiden. Zwischen Hilfreichem und Hinderlichem.
Nicht jede Stimme verdient unser Gehör. Viele wollen unser Denken und Handeln beeinflussen. Deshalb hilft es, wenn wir eine Faustregel zur Hand haben, die uns hilft, die richtigen Entscheidungen zu treffen.
Dabei erinnert uns Paulus an den größten Entscheidungs-Helfer, den wir haben: den Heiligen Geist. Wir dürfen ihm zutrauen, dass er uns leitet und uns hilft. Deshalb müssen wir nicht ängstlich unterwegs sein, sondern können couragiert auftreten.
Und im Vertrauen darauf, dass Gott unser Urteilsvermögen und unseren Verstand schärft, können wir auch mutig entscheiden.
Aber der Zusammenhang in Thessalonich ist noch ein anderer:
Neben Gottes eindrucksvollem Wirken gab es etliche Möchtegern-Propheten.
Darunter waren auch so manche Wichtigtuer, die in den Gottesdiensten ihre vermeintlichen Eingebungen präsentierten. Für mehr und mehr Gemeindeglieder waren die Gottesdienste kaum noch auszuhalten: zuerst Vielfalt, dann mehr und mehr Einfalt – und irgendwann nur noch durchgeknallt.
Der Geist der Einheit wurde zum Geist der Spaltung.
Die entgeisterte Mehrheit hätte die speziellen Propheten am liebsten rausgeschmissen.
Aber Paulus ruft dazwischen: „Bitte seid besonnen!“
Denn Paulus wusste:
Die Prophetie war in der frühen Christenheit eine wesentliche Form, in der Gott sich offenbarte.
Neben den Worten Jesu und den Briefen der Apostel hatte sich Gott (durch seinen Geist) den urchristlichen Propheten, unter denen übrigens auch der Silas war, offenbart.
Der Apostel Paulus hatte es selbst erlebt, wie der Geist ihm „Geheimnisse“ Gottes gezeigt hatte (vgl. Römer 11,25; 1. Korinther 15,51), die weder in den Schriften Israels standen noch von Jesus seinen Jüngern gelehrt worden waren.
Das Wirken des Heiligen Geistes war also für den Paulus und seine Teams eine wichtige alltägliche Erfahrung, die sie miteinander teilten.
Ja: Die Offenbarungen Gottes an frühchristliche Propheten waren zusammen mit der Lehre der Apostel buchstäblich grundlegend für die ersten Gemeinden (vgl. zB 1. Korinther 12,28; Epheser 2,20).
Und genau dieses Wirken des Geistes sollten die Thessalonicher nicht pauschal verdammen, auch wenn sich immer wieder abgedrehte Spinner und aufgeblasene Wichtigtuer als Propheten ausgaben.
Deshalb bittet der Apostel Paulus die Gemeinde in Thessalonich inständig:
„Dämpft den Geist nicht,
verachtet nicht die Prophetie an sich,
sondern fangt an, die Dinge zu prüfen und zu sortieren: Prüft alles,
sortiert den Quatsch aus
und behaltet die geistlichen Perlen,
die theologischen Diamanten
und die göttlichen Kostbarkeiten.“
Aber, liebe Freunde heute Morgen:
Um das geistlich Wertvolle zu finden, braucht eine Gemeinde eine schriftbasierte und schriftgebundene Theologie!
Sie ist wie das Sieb beim Goldschürfen. Mit ihrer Hilfe gelingt das Prüfen.
Aber bevor Paulus den Thessalonichern den Rat des Prüfens gibt, liefert er ihnen fünf Kapitel geballte Theologie, damit das Prüfen auch gelingt. (Das ist so lohnend, mal im Zusammenhang zu lesen…)
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Für den Paulus und sämtliche Mütter und Väter der frühen Kirche war sonnenklar:
Wenn eine Gemeinde die Theologie verachtet, so steht sie in der Gefahr, von theologie-befreiter Begeisterung hinweggespült zu werden.
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Wenn sie aber – umgekehrt – das Wirken des Heiligen Geistes verachtet, dann vertrocknet sie in verstaubten Richtigkeiten.
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Eine lebendige Gemeinde lebt immer aus beidem: aus Wort und Geist. Ohne Geist weicht das Leben.
Wenn das Wirken des Geistes herausgefiltert wird, verlieren Gemeinden und Kirchen ihre Lebendigkeit.
Eine gute Theologie fürchtet nicht das Wirken des Heiligen Geistes, sondern fördert es, indem sie die Geister prüft, um das Gute zu bekommen und zu behalten.
Also:
Gebt dem prophetischen Wort grundsätzliche Wertschätzung (!!!) – denn es könnte ja von Gott gegeben sein, aber: Vertraut diesen Worten und Eindrücken nicht blind oder leicht-gläubig, sondern werdet nicht müde in der Haltung des Prüfens.
Gleichzeitig passt bitte auf, denn:
Auch beim Prüfen kann man ja sozusagen nach beiden Seiten hin „vom Pferd fallen“.
Denn auf beiden Seiten lauern Gefahren:
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Auf der einen Seite
könnte sich solch eine krasse Prüfkultur ausbreiten, dass man auch wirklich jedes noch so feine Haar in der Suppe findet. Manche Leute scheinen ja geradezu gierig darauf zu warten, dass sie wieder was zu motzen haben.
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Auf der anderen Seite
könnte aber auch die Verlockung groß sein, sich gar nicht erst zu äußern. Denn wir scheinen ja irgendwie auch im Zeitalter der grenzenlosen Toleranz zu leben: Alle Religionen und Weltanschauungen haben ja auf ihre Weise angeblich recht – und da erscheinen doch manche scharfen Jesus-Worte irgendwie unpopulär, zB:
„Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater, es sei denn durch mich…“ (Joh 14,6).
Und außerdem muss man doch irgendwie auch die „zahlenden Mitglieder“ im Blick behalten – und die dürfen wir doch im Zeitalter der Patchwork-Philosophie nicht vergraulen, indem wir die „ach so intoleranten Seiten des Evangeliums“ weiterhin in unserer CORPORATE IDENTITY führen… – das widerstrebt doch dem Zeitgeist, vor dem unserer „postchristliches Abendland“ sich so gerne zu verneigen scheint.
Vorsicht – sagt Paulus:
Prüft alles – und das Gute behaltet.
Also: Das Gute, das Wahre, das Heilsbringende, das Fundament – das behaltet…
…und verschleudert es nicht dem Markt der Beliebigkeiten!!!
(Die Mütter und Väter der jungen Kirche haben übrigens immer darauf geachtet, genau hinzuschauen:
Wo geht es um elementare Fundamente und Wahrheiten – und wo handelt es sich um Nebensächlichkeiten?
Was ihnen immer kompromisslos wichtig war:
Die Christologie – also Jesus steht im Zentrum – das war den Müttern und Vätern der jungen Kirche stets das Wichtigste:
Jesus Christus – für uns gelitten, gekreuzigt, gestorben und begraben.
Für uns hinabgestiegen in das Reich des Todes.
Und: Für uns am dritten Tag auferstanden von den Toten – als Erstling unter allen Entschlafenen.
Wenn diese Wahrheiten zur Disposition gestellt wurden, dann haben die Kirchenväter und -mütter keinen „Spaß“ verstanden und diese Wahrheiten wie die Löwen verteidigt!
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Zurück zum Prüfen – und dass man sozusagen nach beiden Seiten hin „vom Pferd fallen“ kann:
Die Gratwanderung zwischen beißender Kritiksucht einerseits und einer zahnlosen Theologie andererseits ist schon eine immer-währende Herausforderung.
Und deshalb ermutigt uns der Paulus dazu, eine heilsame Prüfkultur zu entwickeln.
Dazu brauchen wir die AKRESIS – also die Unterscheidungsfähigkeit:
Also ist dieses oder jenes deckungsgleich mit der biblischen Lehre? Fußt das wirklich auf dem Boden der heiligen Schrift?
Oder handelt es sich um Tendenzen von Irrlehre und Machtmissbrauch, Wichtigtuerei und Geringschätzung der Heiligkeit Gottes?
Behaltet das Gute!
Wörtlich steht da im griechischen Urtext:
KAT-ECHO, also intensiv behalten, aneignen und anwenden.
Beispiel: Das Gute sollen wir nicht (so ähnlich) wie ein nicht genutztes Küchengerät museums-artig hinter der Vitrine verstecken, sondern wir sollen es allumfassend aneignen und anwenden.
Also: Das Gute: Behaltet es intensiv und gebraucht es – setzt es in Betrieb!!!
Die guten Fundamente und Lehren, die Ermahnungen, die wertvollen Ideen und Erkenntnisse – versteckt sie nicht museums-artig hinter der Vitrine, sondern macht sie euch zu-eigen und wendet sie an.
Und gleichzeitig (Vers 22, also direkt im nächsten Vers):
Meidet das Böse in jeder Gestalt!
Während beim „Guten behalten“ das Wort „kat-echo“ – also „aneignen, in Besitz nehmen und anwenden“ steht, ist hier beim Bösen das griechische Wort „ap-echo“ gewählt, also wörtlich „fernhalten“ – auch auf räumliche Distanzen bezogen (zB wie weit der Weg von Jerusalem nach Emmaus entfernt liegt).
Will sagen:
Distanz-einnehmen gegenüber dem Bösen – also das totale Gegenteil von „aneignen“ – das ist beim Unterscheiden zwischen GUT und BÖSE das Gebot der Stunde!
Das, was wir nicht behalten, was nicht gut ist,
das sollen wir aussortieren / das sollen wir ganz weit weg-schaffen von uns.
Denn schon ein kleines Stückchen Sauerteig kann den ganzen Kuchen verderben.
Liebe Gemeinde,
zu diesem wunderbar richtungsweisenden Bibelwort wäre noch viel zu sagen – und auch zur intensiven Verbindung zum gekreuzigten und auferstandenen Herrn, der uns in seiner Nachfolge die richtigen Wege und Alternativen finden lässt.
Aber die Zeit ist begrenzt – und deshalb auch die Schwerpunkt-Auswahl.
Aber zweierlei möchte ich noch anfügen
- PPTX:
>> (Notizbuch)…
>> to do…
>> Das möge unser Herr Jesus Christus erledigen
>> Gutes behalten (Psalm 103)
- (Der wunderbare Segen)
Und ganz zum Schluss des Kapitels 5 vom 1. Thess.
– da wird uns allen das zugesprochen,
was der Apostel Paulus uns
richtungsweisend und tröstend zugleich
mit auf den Weg gibt (Verse 23 und 24):
(wunderbar entlastend und ermutigend zugleich, was jetzt kommt):
23 Er aber, der Gott des Friedens,
heilige euch durch und durch
und bewahre euren Geist
samt Seele und Leib unversehrt,
untadelig für
das Kommen unseres Herrn Jesus Christus.
24 Treu ist er, der euch ruft; er wird’s auch tun.
Wir beten:
…