Nach Absage um vier Uhr morgens: Jim Knopf soll Bundesverkehrsminister werden

Regierungskreise verweisen auf langjährige Schienenerfahrung, internationale Krisenfestigkeit und ein überzeugendes Konzept für verkehrsträgerübergreifende Mobilität. –
Berlin. Nach der kurzfristigen Absage des zunächst vorgesehenen Verkehrsministers Fritz Güntzler nimmt die Suche nach einer geeigneten Leitung des Bundesverkehrsministeriums offenbar überraschend Fahrt auf. Nach Informationen aus gewöhnlich ratlosen Regierungskreisen gilt Jim Knopf mittlerweile als aussichtsreicher Kandidat für das Amt. Der Personalvorschlag soll dem Bundeskanzler am Freitagvormittag unterbreitet worden sein. Zuvor hatte Güntzler seine bereits erteilte Zusage gegen vier Uhr morgens per Textnachricht zurückgezogen. Er habe nach reiflicher nächtlicher Prüfung festgestellt, dass seine fachlichen Schwerpunkte im Bereich Steuern und Finanzen lägen und er von Verkehrspolitik vergleichsweise wenig verstehe. In Berlin wurde diese Form der Selbsterkenntnis als ungewöhnlicher, möglicherweise sogar historischer Vorgang gewertet. Bei der anschließenden Suche nach einem Bewerber mit stärkerem Ressortbezug sei man auf Jim Knopf gestoßen. Ausschlaggebend sei gewesen, dass Knopf im Gegensatz zu zahlreichen früheren Verkehrsministern bereits vor seiner möglichen Ernennung persönlichen Kontakt zu einer funktionierenden Lokomotive gehabt habe.
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Praktische Erfahrung statt bloßer Zuständigkeit
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Knopf verfügt nach Einschätzung der Findungskommission über ein bemerkenswert geschlossenes Kompetenzprofil. Gemeinsam mit seinem langjährigen Weggefährten Lukas und der Lokomotive Emma hat er umfangreiche Erfahrungen im Schienenverkehr gesammelt. Er kennt Bahnbetrieb nicht nur aus Aktenvorlagen, Aufsichtsräten und Pressekonferenzen, sondern aus der unmittelbaren Anschauung.

Besonders positiv werde bewertet, dass Emma unter seiner Mitwirkung nicht nur auf Schienen eingesetzt, sondern für eine Seereise zu einem schwimmfähigen Verkehrsmittel umgebaut wurde. Damit habe Knopf schon früh einen verkehrsträgerübergreifenden Ansatz verfolgt, der heute unter Begriffen wie Intermodalität, Sektorenkopplung und technologieoffene Mobilität mühsam neu entdeckt werde.
„Andere reden über integrierte Verkehrskonzepte. Jim Knopf hat eine Dampflokomotive zum Schiff gemacht“, hieß es aus dem Kanzleramt. „Das ist zumindest ein erkennbares Konzept.“
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Ausgewiesene Tunnelkompetenz
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Auch für die Sanierung des deutschen Schienennetzes bringt Knopf nach Auffassung seiner Unterstützer wichtige Voraussetzungen mit. Seine Heimat Lummerland verfügt trotz ihrer geringen Fläche über eine Eisenbahnstrecke mit fünf Tunneln. Damit weist die Insel eine Tunneldichte auf, die selbst im europäischen Vergleich als bemerkenswert gelten kann.
Knopf sei daher mit den besonderen Problemen enger Streckenführung, begrenzter Flächen, schwieriger Topografie und politisch umstrittener Infrastruktur vertraut. Dass die Eisenbahn auf Lummerland über viele Jahre tatsächlich gefahren sei, werde in Regierungskreisen als zusätzlicher Qualifikationsnachweis angesehen.
Besonders beeindruckt zeige sich die Koalition von der Tatsache, dass auf Lummerland eine komplette Bahnstrecke betrieben werden konnte, ohne hierfür ein Sondervermögen von 500 Milliarden Euro einzurichten, drei Planungsgesellschaften zu gründen und anschließend festzustellen, dass das Geld wegen fehlender Genehmigungen nicht ausgegeben werden könne.
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Erfahrung mit der Deutschen Bahn nicht erforderlich
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Bedenken, Jim Knopf verfüge über keinerlei Führungserfahrung bei der Deutschen Bahn AG, wurden in Regierungskreisen zurückgewiesen. Dies könne angesichts des Zustands des Unternehmens nicht ernsthaft als Nachteil gelten.
Knopf habe bislang weder einen Fahrplan ausgedünnt noch eine Generalsanierung verschoben. Er habe keine funktionierenden Weichen stillgelegt, keine Bahnhöfe verkommen lassen und keine Verspätungsstatistik durch den Ausfall ganzer Züge verbessert. Auch seien keine Beraterverträge, Bonuszahlungen oder erfolglosen Digitalisierungsprogramme aus seiner bisherigen Tätigkeit bekannt.
Damit beginne er seine Amtszeit, wie ein hochrangiger Koalitionsvertreter erklärte, „praktisch unbelastet“.
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Internationale Belastbarkeit nachgewiesen
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Für Knopf spreche außerdem seine außenpolitische und interkulturelle Erfahrung. Seine Reisen führten ihn weit über Lummerland hinaus. Dabei bewältigte er gefährliche Landschaften, begegnete Scheinriesen und Drachen und befreite die Prinzessin Li Si.
Diese Erfahrungen seien für das Verkehrsministerium von unmittelbarer Bedeutung. Wer mit Drachen verhandeln könne, werde auch Gespräche mit der Deutschen Bahn, den Landesverkehrsministern, der Autobahngesellschaft und der EU-Kommission überstehen.
Auch im Umgang mit Scheinriesen verfüge Knopf über eine Kompetenz, die im Berliner Politikbetrieb nur schwer zu überschätzen sei. Scheinriesen erscheinen aus der Ferne gewaltig, werden jedoch umso kleiner, je näher man ihnen kommt. Beobachter sehen darin eine nahezu vollständige Beschreibung zahlreicher Infrastrukturprogramme der Bundesregierung.
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Keine Verbindungen zur Automobilindustrie
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Als weiterer Vorteil gilt Knopfs erkennbare Unabhängigkeit von der Automobilwirtschaft. Bislang sind weder Auftritte auf Verbandsempfängen noch vergünstigte Fahrzeugüberlassungen oder spätere Wechsel in die Leitung eines Autokonzerns dokumentiert. Jim Knopf besitzt nach gegenwärtigem Kenntnisstand nicht einmal ein Auto. Regierungskreise sprechen von einer „glaubwürdigen persönlichen Verkehrswende“.
Kritiker wenden ein, die von ihm genutzte Dampflokomotive Emma entspreche nicht den aktuellen Klimaschutzzielen. Das Verkehrsministerium erklärte hierzu, Emma sei technologieoffen und könne bei entsprechender Förderung perspektivisch mit Wasserstoff, synthetischem Brennstoff oder zertifiziertem Lummerländer Restholz betrieben werden. Zudem seien ihre Emissionen wenigstens sichtbar, was sie von einem erheblichen Teil der deutschen Klimapolitik unterscheide.
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Lukas soll Staatssekretär werden
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Für den Fall seiner Ernennung möchte Knopf dem Vernehmen nach Lukas den Lokomotivführer als beamteten Staatssekretär für Schienenverkehr berufen. Lukas verfüge über operative Berufserfahrung und könne eine Lokomotive selbst führen. Damit wäre erstmals seit längerer Zeit nicht ausgeschlossen, dass die Leitungsebene des Ministeriums weiß, wie sich ein Schienenfahrzeug tatsächlich in Bewegung setzt.
Die Lokomotive Emma soll einen beratenden Sitz im Aufsichtsrat der Deutschen Bahn erhalten. Da sie zuverlässig fährt, über ein funktionierendes Antriebssystem verfügt und eine erkennbare emotionale Bindung ihrer Fahrgäste hervorruft, gilt ihre Berufung allerdings als politisch umstritten. Kritiker befürchten, dass sie die übrigen Mitglieder des Aufsichtsrates fachlich überfordern könnte.
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Verfassungsrechtliche Fragen gelten als lösbar
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Staatsrechtler weisen darauf hin, dass Jim Knopf eine literarische Figur ist und daher weder eine Geburtsurkunde noch einen deutschen Personalausweis vorlegen kann. Auch seine genaue Staatsangehörigkeit ist aufgrund seiner Ankunft auf Lummerland in einem falsch adressierten Paket bislang nicht abschließend geklärt.
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Im Kanzleramt hält man diese Einwände jedoch für überwindbar. Die Bundesregierung habe bereits mehrfach Personalentscheidungen getroffen, deren Wirklichkeitsbezug von der Öffentlichkeit nicht zweifelsfrei nachvollzogen werden konnte.Außerdem müsse ein Bundesminister kein Mitglied des Bundestages sein. Dass er tatsächlich existiere, sei im Grundgesetz nicht ausdrücklich als Qualifikationsmerkmal aufgeführt, hieß es aus Koalitionskreisen.
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Ernennung möglicherweise noch vor Sonnenaufgang
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Der Bundeskanzler soll Jim Knopf gebeten haben, sich möglichst rasch zu entscheiden. Eine Antwort werde noch in der kommenden Nacht erwartet. Sicherheitshalber bleibe das Mobiltelefon des Kanzlers zwischen drei und fünf Uhr eingeschaltet. Aus dem Umfeld des Kandidaten heißt es, Jim Knopf neige grundsätzlich zur Übernahme schwieriger Aufgaben. Voraussetzung sei allerdings, dass Lukas und Emma mit nach Berlin kommen dürften und im Ministerium keine externe Unternehmensberatung damit beauftragt werde, zunächst zwei Jahre lang zu prüfen, ob eine Lokomotive Räder benötigt.
In der Union wächst unterdessen die Hoffnung, die Personalfrage noch vor Beginn der parlamentarischen Sommerpause abschließen zu können. Ein führender Christdemokrat fasste die Stimmung so zusammen:
„Viele hoffen auf genau diese Lösung. Denn Jim Knopf ist jung, mutig, international erfahren und kennt sich mit Eisenbahnen aus. Damit erfüllt er bereits vier Voraussetzungen mehr, als wir ursprünglich vorgesehen hatten.“
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24.07.2026
Ambrosius von Mailand