Wenn man tut, was Gott gefällt, wird es besser auf der Welt. – Das hat viel Freude gemacht, sich mal mit diesem Thema – wenn auch sehr holzschnittartig – zu beschäftigen – und dabei die Ermutigung zu entdecken: Wo Menschen dem dreieinigen Gott glauben und gehorchen, dort werden auch die Lebenszusammenhänge gerechter und freundlicher.
0. Einleitung: Eine Kinderliedzeile als hermeneutischer Schlüssel
„Wenn man tut, was Gott gefällt, wird es besser auf der Welt.“ (Hella Heizmann, 1984)
Was auf den ersten Blick einfach klingt, ist in Wahrheit so etwas wie eine theologische Grundformel:
Glaube – Gehorsam – Konsequenzen – Erneuerung.
Jede Epoche kirchlicher Geschichte bezeugt dies. Dort, wo Menschen Jesus Christus als das eine verbindliche Wort Gottes hörten und taten, „was Gott gefällt“, da entstanden geistliche Aufbrüche, soziale Innovationen, Bildung, Recht, Diakonie, Trost, Widerstand gegen Unrecht und Versöhnung zwischen Feinden.
Nachfolge Jesu macht die Welt nachweislich besser – nicht idealisiert, sondern historisch belegbar.
Hier ein paar kurze ausgewählte Einblicke:
1. Die apostolischen Väter – frühe Christen als Gegenkultur mit gelebter Barmherzigkeit
In den Schriften der apostolischen Väter (1. und frühes 2. Jahrhundert) erkennen wir eine Kirche, die ihren Glauben praktisch und sichtbar lebte. Ihre Welt war römisch, hierarchisch, oft brutal. Und doch formten Christen ein anderes Ethos.
1.1. Starke Beispiele
1.1.1. Der Brief an Diognet (ca. 150 n. Chr.) beschreibt Christen als Menschen, die „im Fleisch leben, aber nicht nach dem Fleisch“, die Fremde aufnehmen, Arme versorgen und keiner ‚sozialen Schicht‘ vorenthalten sind.
1.1.2. Ignatius von Antiochien ermutigte Gemeinden auf seinem Weg zum Martyrium zu Einheit, Nächstenliebe und gegenseitiger Fürsorge. Seine Christologie – „Christus ist unser Gott“ – war die Triebkraft missionarisch-diakonischer Praxis.
1.2. Konsequenz
Frühe Christen lebten einen „öffentlichen Glauben“:
Gottvertrauen wurde zur Quelle gesellschaftlicher Wohltaten – zur Pflege der Kranken, zur Rettung ausgesetzter Kinder, zur Unterstützung von Witwen und Fremden sowie pietätvolle Bestattung der Verstorbenen.
2. Die Kirchenväter und die Klärung der Dogmatik – Wahrheit als Grundlage sozialer Verantwortung
Im 3. bis zum 5. Jahrhundert hat die Kirche die entscheidenden Fragen nach Gott und Christus möglichst weitgehend zu klären versucht. Die Konzilien bestanden nicht aus akademischen Übungen, sondern versuchten, die Glaubensgrundlagen für verlässliche Praxis zu schaffen.
2.1. Dogmatik und Diakonie gehören zusammen
2.1.1. Basilios der Große verband die Trinitätslehre mit institutioneller Armenfürsorge. Sein Krankenhauskomplex, die Basiliade, war ein Meilenstein medizinischer Versorgung.
2.1.2. Johannes Chrysostomos predigte gegen soziale Ungerechtigkeit und forderte Reiche unerschrocken auf, ihren Besitz als Gabe Gottes zu verstehen.
2.2. Erkenntnis
Erst wenn Christus als wahrer Gott und wahrer Mensch klar bekannt ist, entsteht eine Ethik, die den Menschen ernst nimmt.
Theologische Klarheit produziert praktisches Handeln.
3. Die Kirche des 4. Jahrhunderts – Konzile, Einheit und die Entstehung organisierter Barmherzigkeit
Das 4. Jahrhundert ist vor allem durch drei Elemente gekennzeichnet:
3.1. Die großen Konzile (Nicäa 325, Konstantinopel 381).
Sie schufen ein gemeinsames Fundament der Christologie.
3.2. Die öffentliche Anerkennung des Christentums
Dadurch konnten christliche Gemeinden erstmals umfassende soziale Projekte planen.
3.3. Die Institutionalisierung der Diakonie.
Armenhäuser, Hospitäler und Waisenanstalten wurden zu verpflichtenden Aufgaben der Gemeinden.
3.4. Klärungen
Es ist kein Zufall, dass nach der Klärung der Gottheit Christi die organisierte Nächstenliebe aufblüht.
Die Logik lautet:
Gott ist Mensch geworden. Der Mensch ist unendlich wertvoll. Der Mensch braucht Schutz, Pflege, Trost und Bildung. Aus der Motivation heraus, an das „Göttliche“ angebunden zu sein.
4. Die Reformation – Rückkehr zur Schrift, Freiheit des Gewissens, soziale Reformen
Die Reformation ist ein geistlicher und kultureller Neubeginn. Sie ist nicht nur ein theologisches Projekt, sondern eine umfassende gesellschaftliche Erneuerungsbewegung.
4.1. Martin Luther (1483-1546)
„Die Bibel ist die Herrin über alle Lehrer und Theologen.“
Luthers Bibelübersetzung setzte eine Bildungswelle in Gang. Sein Gedanke vom „Priestertum aller Gläubigen“ stärkte Verantwortung und Nächstenliebe – gestützt auf „sola scriptura“ (allein die Schrift), getragen von „sola fide“ (allein der Glaube), ermöglicht durch „sola gratia“ (allein die Gnade) und gegründet in „solus Christus“ (allein Christus), initiierte Luther das Engagement für diakonisches Handeln, weil gute Taten Ausdruck des Glaubens und Zeichen der gelebten Liebe Gottes sind:
„Der Glaube kann nicht müßig sein; was er glaubt, das tut er auch. Darum, ohne alle Frage, richtet er stets gute Werke aus.“ (Martin Luther, Von der Freiheit eines Christenmenschen, 1520).
4.2. Philipp Melanchthon (1497-1560)
Er war Begründer des protestantischen Schulwesens (Bildung als „Glaubensfrucht“).
Für Melanchthon war es selbstverständlich, dass jeder Mensch von Gott mit Vernunft und Würde ausgestattet ist. Bildung verstand er als diakonischen Dienst, der Menschen stark macht und ihnen ein selbstbestimmtest Leben ermöglicht.
4.3. Huldrych Zwingli (1484-1531)
Als Glaubens-Konsequenz („Glaube ohne Nächstenliebe ist kein echter Glaube“; Kommentar über die wahre und falsche Religion, 1525) organisierte der Schweizer Reformator systematisch soziale Fürsorge und Armenkassen in Zürich. Zwingli und sein Team begannen, ein bis dahin einzigartiges Netz von Schulen, Stipendien und sozialen Einrichtungen zu initiieren. Der Glaube ist für Zwingli „tätig in der Liebe, und gute Werke sind Früchte des Glaubens“ (Kommentar über die wahre und falsche Religion, 1525).
4.5. Martin Bucer (1491-1551)
Für Martin Bucer ist es die zentrale Aufgabe der Kirche, Hilfe für Arme, Kranke und Fremde zu leisten (Mt. 25,40). Bucer veranlasste, dass in Straßburg viele Glaubensflüchtlinge aufgenommen wurden. Er sah Fremde und Vertriebene als Menschen, denen Christus „gestaltlich nahe“ ist (Von der wahren Seelsorge, 1538).
4.6. Konsequenz
Die Reformatoren organisierten Armenpflege, Krankenhilfe und Unterstützung Bedürftiger neu und strukturierten sie verbindlich – besonders sichtbar in Zürich (Zwingli) und Straßburg (Bucer). Diakonie war damit nicht nur individuelle Wohltätigkeit, sondern ein geordneter, gemeinschaftlicher Auftrag der Kirche. Durch die Reformatoren wurde das diakonische Handeln näher am Alltag der Menschen verankert, sozial gerechter und theologisch stärker begründet.
5. Hugenotten, Pietismus und die Erweckungsbewegungen – Glaube, der brennt und handelt
5.1. Die Hugenotten, verfolgt und vertrieben, brachten in ganz Europa eine bemerkenswerte Kultur des Fleißes, der Ethik und der Glaubensstärke ein. Théodore de Bèze, Calvin-Schüler und Hugenottenführer, sagte:
„Die Wahrheit ist so stark, dass nichts sie überwinden kann.“
Dieser unbeirrbare Wahrheitsglaube führte dazu, dass Hugenottenindustrie, -pädagogik und -frömmigkeit überall, wo sie ankamen – ob in Brandenburg, den Niederlanden oder England – zu wirtschaftlicher und sozialer Blüte beitrugen. (Gelegentlich mal mehr dazu…)
5.2. Pietismus
Die Hoch-Zeit des Pietismus (ca. 1670-1800) bezeichnet eine Frömmigkeitsbewegung im deutschen Protestantismus, eine Bewegung also, deren erstes Anliegen die Förderung von Frömmigkeit war. Der Pietismus hatte zwar auch spürbare Folgen für die Theologie und die Diakonie, dennoch war er in seinen Ursprüngen keine in erster Linie theologische oder diakonische Bewegung.
Pietismus kommt von „pietas“. Das lateinische Wort bedeutet Frömmigkeit. Die ersten Pietisten, in den 70er Jahren des 17. Jahrhunderts, führten es häufig im Munde und wurden deshalb von Außenstehenden, insbesondere von Kritikern und Gegnern „Pietisten“ genannt oder, korrekter: beschimpft. Doch wie häufig in der Kirchengeschichte wurde aus der pejorativ konnotierten Fremdbezeichnung eine Selbstbezeichnung. Schon nach kurzer Zeit nannten sich die als Pietisten Beschimpften selbst Pietisten. (Bibelorientierte Frömmigkeit hat noch niemandem geschadet – im Gegenteil – dafür kann man sich gern beschimpfen lassen!).
Der Pietismus begann um das Jahr 1670 in Frankfurt am Main, und der Pietisten-Begriff tauchte wenig später erstmals in Leipzig auf, wurde aber vermutlich auch in Frankfurt schon gebraucht.
Heute ist der Begriff Pietismus ein Begriff der historischen und kirchenhistorischen Forschung. Sie unterscheidet vielfach einen Pietismus im engeren Sinn und im weiteren Sinn. Die Betonung der Frömmigkeit findet sich schon vor dem Jahr 1670: nämlich bereits um 1600 bei dem lutherischen Theologen Johann Arndt, der (frei von Macht-Attitüden) kirchenleitend in Braunschweig und in Lüneburg wirkte. Von den Pietisten wurden seine Werke eifrig gelesen. Der Pietismus im weiteren Sinn, der pietistische Frömmigkeitsstil, beginnt also schon um 1600 Arndt. Die eigentliche pietistische Bewegung beginnt jedoch erst 1670. Sie verliert im ausgehenden 18. Jahrhundert zunächst an Bedeutung. Gleichwohl gab es pietistische Frömmigkeit auch im 19. und im 20. Jahrhundert, und es gibt sie noch heute – nicht nur in Gestalt der Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine (Zinzendorf). Pietismus im weiteren Sinn gibt es also bis in die Gegenwart, auch in der Form neuer, an den alten Pietismus anknüpfender Frömmigkeitsbewegungen. Viele zeitgenössische freie christliche Schulen in dieser Tradition sind übrigens nach August Hermann Francke benannt.
5.2.1. Philipp Jakob Spener (1635-1705): In seiner programmatischen Schrift „Pia desideria“ forderte Spener lebendigen Glauben, Bibelstudium in Hauskreisen und tätige Liebe.
5.2.2. August Hermann Francke (1663-1727) baute darauf in Halle ein ganzes Diakoniesystem:
Waisenhaus, Armenschule, Apotheke, Bibliothek, Missionsseminar.
Hier erkennt man deutlich den Zusammenhang zwischen intensiver Bibelfrömmigkeit und umfassender Sozialreform.
5.4. Erweckungsbewegung in England
5.3.1. John Wesley (1703–1791) – Leitfigur der methodistischen Erweckung.
Stichworte: Predigt unter freiem Himmel, systematische Kleingruppen, Bibelstudium, Gebet, Disziplin – aber immer verbunden mit sozialem Engagement.
Wesley gründete Suppenküchen, Kreditvereine, Krankenhäuser; er kämpfte gegen Alkoholmissbrauch und soziale Ungerechtigkeit.
Sein Satz: „There is no holiness but social holiness“ zeigt den Kern unseres Themas.
5.2.2. William Booth (1829–1912), Begründer der Heilsarmee
William Booth verband Evangelisation und Diakonie untrennbar.
Sein berühmtes Motto lautet:
„Suppe, Seife und Seelenheil“ (engl. Soup, Soap and Salvation).
Für Booth galt: Barmherzigkeit! Ohne Evangelium sei der Glaube unvollständig – aber Evangelium ohne Barmherzigkeit sei Verrat am Evangelium.
Die Heilsarmee war eine der ersten Organisationen, die Obdachlosenarbeit, Prostitutionseinsätze, Altenpflege und Rehabilitation zu einem klaren, christlich motivierten Programm verband.
5.3. Erweckungsbewegung in Amerika – vor allem durch John R. Mott (1865–1955),
Mitbegründer der ökumenischen Bewegung, ‚prominent‘ geworden.
John Mott war Präsident der „Student Volunteer Movement“ und Nobelpreisträger für Friedensarbeit (1946).
Sein Motto: „Die Evangelisierung der Welt in dieser Generation.“
Mott verband weltweite Mission mit Bildung und Völkerverständigung. Das ist gelebte Konsequenz des Glaubens.
5.4. Erweckung in Afrika
5.4.1. Festo Kivengere (Uganda)
Festo Kivengere war Prediger (und Bischof), Versöhner, Führungsfigur in der East African Revival.
Nach den Grausamkeiten unter Idi Amin verkündigte er:
„Forgiveness is power.“
Kivengere rief ganze Bevölkerungen in die Freiheit der Vergebung – ein politisch und sozial heilsamer Akt.
5.4.2. César Molebatsi (Südafrika)
Er war leidenschaftlicher Evangelist und Bürgerrechtler in Zeiten der Apartheid.
César Molebatsi pflanzte Gemeinden, gründete Sozialprogramme und verband Evangelium mit gesellschaftlicher Heilung.
Seine Predigten über „Christus als Friedenstifter“ hatten konkrete Auswirkungen auf lokale Versöhnungsprozesse.
5.5. Zusammenfassende Beobachtung
Erweckungen waren nie bloße Gefühlsbewegungen.
Sie erneuerten Biografien,
heilten Familien,
schufen Schulen und Hilfswerke,
reformierten Staaten,
befreiten Menschen aus bhängigkeiten,
führten zu Versöhnung und Frieden.
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6. Diakonie der Neuzeit – Christusglaube als organisatorische Tatkraft
6.1. Johann Hinrich Wichern (1808-1881) – Gründung der Inneren Mission, Jugend- und Gefangenenhilfe.
6.2. Theodor Fliedner (1800-1864) – Beginn des evangelischen Pflegewesens.
6.3. Amalie Wilhelmine Sieveking (1794-1859) – Frauenvereine und Armendienst.
6.4. Friedrich von Bodelschwingh (der Ältere; 1831-1910) – Bethel, eines der größten Diakoniewerke der Welt.
Alle diese Gestalten waren beharrlich betende als auch organisatorisch begabte Persönlichkeiten. Sie lasen die Bibel, vertrauten Christus – und veränderten das Sozialwesen Europas. (Gelegentlich mal mehr zu dieser hoch interessanten „Gründungsphase“…)
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7. Die Bekennende Kirche – Mut zum Gehorsam im Angesicht des Terrors
Im Angesicht des Nationalsozialismus erhoben Christenmenschen immer wieder ihre Stimme.
Die Barmer Theologische Erklärung (1934 – unter Federführung von Karl Barth) bekennt in These 1:
„Jesus Christus, wie er uns in der Heiligen Schrift bezeugt wird, ist das eine Wort Gottes, das wir zu hören, dem wir im Leben und im Sterben zu vertrauen und zu gehorchen haben.“
Damit wurde unmissverständlich jede Vermischung von Evangelium und Ideologie zurückgewiesen.
Dietrich Bonhoeffer schrieb aus dem Gefängnis:
„Christus existiert als Gemeinde.“ Und natürlich sein weltbekanntes Gedicht „Von guten Mächten wunderbar geborgen“.
Und Paul Schneider, der „Prediger von Buchenwald“, rief den Häftlingen zu:
„Unser Herr Christus lebt!“
Seine Stimme wurde zum Trost im Schatten des Todes (er wurde im KZ Buchenwald ermordet, weil er Christus über Hitler stellte).
Die Bekennende Kirche rettete Juden, gründete Stätten der Barmerhzigkeit (s.u. Bethel/ Fr. v. Bodelschwingh), leistete Fürbitte und Widerstand.
Lehre, Mut und praktische Hilfe wurden eins. So spannend ist das – gerade weil wir es hier mit einem weltweit (nach-)wirkenden menschenverachtenden Regime zu tun haben, das unendlich viel Schrecken und Leid unter die Menschen gebracht hat – bis heute.
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EXKURS:
Die EVANGELISCHE ALLIANZ >>
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8. Gegenwart – Rückkehr zur Schrift und ihre Bedeutung für Kirche und Gesellschaft
Die Krise der Kirchen in Europa hat viele Gründe, aber eine Antwort ragt hervor:
Wir brauchen wieder Orientierung an Jesus Christus und der Heiligen Schrift.
8.1. Das Netzwerk Bibel und Bekenntnis
Eine breite Bewegung von Christenmenschen, Theologen, Pfarrerinnen und Pastoren, die überzeugt sind: Die Bibel ist Gottes verbindliches Wort.
Prägende Stimmen
8.1.1. Ulrich Parzany – evangelistisch, seelsorglich, klar in der Verkündigung.
Ulrich Parzany, langjähriger Evangelist der ProChrist-Bewegung und Initiator vom Netzwerk Bibel und Bekenntnis, schreibt:
„Ich habe mich entschlossen, meinen Verstand unter Gottes Wort zu stellen.“
Das ist kein Antiintellektualismus, sondern eine bewusste epistemische Entscheidung: Die Schrift ist Norm, nicht Echo des Zeitgeistes. Und er fügt hinzu:
„Wenn wir die Bibel preisgeben, verlieren wir die Kraft des Evangeliums.
8.1.2. Prof. Dr. Gerhard Maier – eine der wichtigsten exegetischen Stimmen der Bewegung, Autor grundlegender bibelhermeneutischer Werke.
8.1.3. Tobias Eißler – theologisch fundierte Orientierungshilfen für Gemeinden und Synoden.
8.1.4. Dr. Markus Till – apologetisch stark, wissenschaftlich präzise, Brückenbauer zu akademischen Milieus.
Was bedeutet Rückkehr zur Schrift heute praktisch?
8.2. Bibelzentrierte Verkündigung
Es geht nicht um moralische Allgemeinplätze oder wohlklingende Honig-Predigten, sondern um möglichst umweglose Verkündigung des Evangeliums: Christus, Kreuz, Gnade, Umkehr, neues Leben.
8.3. Gemeindeentwicklung aus der Schrift
Da geht es um Bibelkurse, Hauskreise, theologische Schulung für alle Gemeindeglieder.
8.4. Ethik
Christliche Positionen begründen – nicht über Macht, sondern über Argumente, Liebe und Wahrheit.
8.5. Diakonisches Handeln
Jede Rückkehr zur Schrift führt zu einem Mehr an Angeboten (wenn im eigenen Gemeindebereich nicht leistbar, dann überregional): Armenhilfe (Tafel, Kältehilfe etc.) Besuchsdienste, Bildungsangebote, Trauerbegleitung, Migrationshilfe, Kinder- und Jugendarbeit etc.
8.6. Öffentliches Zeugnis
möchte das biblische Menschenbild im Bildungswesen, in den Medien, in der Wissenschaft und im Sozialraum – kurz: überall – unaufdringlich hörbar machen.
8.7. Was Schriftbindung bewirkt?
Schriftbindung bedeutet keinen Rückzug, sondern Aufbruch. Sie beflügelt Integrität, Empathie, Wahrheitsliebe, Mut, Freiheit. Bibelorientierte Menschen prägen die Gesellschaft positiv (bibl. Menschenbild).
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9. Kurze Reflexion: Wesentliche Einsichten und Herausforderungen
9.1. Gemeinde als sendender Leib Christi
Die Geschichte zeigt immer wieder, dass Kirche nichts Passives ist. Schon die Ignatius-Briefe werben dafür, dass die Einheit der Gemeinde kein Machtgefüge, sondern ein lebendiges Zeugnis sein soll.
9.2. Glaube, der das Herz berührt, und Theologie, die die Welt formt
Bereits Aurelius Augustinus verbindet in seiner „civitas Dei“ die Liebe zu Gott mit einem gemeinschaftlichen Ziel jenseits politischer Ideologien. Seine Theologie war kein Rückzug, sondern eine Grundlage für Gemeinschaft der Gläubigen in ethischer Verantwortung.
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9.3. Opferbereitschaft und Widerstand
Das Leben von Paul Schneider, Dietrich Bonhoeffer, Martin Niemöller, Maximilian Kolbe und vielen anderen aus Widerstands-aktiven Zeiten lehrt uns, dass wahres Christsein manchmal leidenschaftlichen Widerstand bedeutet: gegen Gewalt und Korruption, Unwahrheit und Rechtsbeugung, Ellbogenmentalität und Menschenrechtsverletzungen.
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9.4. Evangelisation und soziale Verantwortung
Evangelisation ist nicht bloß Seelenmission, sondern ein Ruf, der Gesellschaft zu dienen. Unzählige Initiativen werden nicht müde darin, immer wieder diese doppelte Aufgabe zu betonen: Klarheit im Evangelium, ohne die soziale Dimension zu vernachlässigen.
10. Einladung zur aktiven Nachfolge
Diese kurzen Einblicke in ausgewählte historische Zeugnisse sind keine bloßen Geschichten aus der Vergangenheit – sie sind Einladung und Herausforderung. Christenmenschen stehen auch heute unverändert in der Spannung: Bequem/e Frömmigkeit leben — oder mutig einmischen?
Und während diese Frage nachklingt, gilt die Aussendung durch Jesus Christus, den Herrn der Kirche, zeitlos unverändert: Seid nicht nur als Zuschauer, sondern aktiv Gestaltende – damit die Welt im Namen von Jesus besser wird. Wenn wir uns dieser Sendung stellen, dann können wir Gemeinde gestalten, die nicht nur liturgisch leuchtet, sondern auch gesellschaftlich wirkt. Dann kann unser Mitwirken Teil jener langen Spur sein, in der Christenmenschen die Welt heller machen – nicht durch Macht, sondern durch Hingabe und Glaubensgehorsam, Wahrheit und Liebe.
Diese bewusst kurz gehaltene „Geschichte“ möchte dazu einladen:
Christus ernst zu nehmen, in Gottes Wort zu lesen, Jesus nachzufolgen.
So kann das eigene Leben zum Segen werden – und die Welt zu einer besseren Heimat.
Das ist möglich,
weil Gott immer noch handelt;
weil Gottes Wort noch immer Kraft hat;
weil Gottes Geist noch immer wirkt;
weil Jesus Christus derselbe ist – gestern, heute und in Ewigkeit.
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Carsten Heß, Lahnau, im November 2025
(Sobald Zeitfenster möglich sind, wird dies noch optimiert – aber ganz bewusst mit keinem näherungsweise wissenschaftlichen Anspruch, sondern mit einer kerygmatisch-ermutigenden Zielsetzung.)
Passend zum Thema zwei Lieder aus dem Musical „Folgen“, das zum Christival 1996 in Dresden komponiert wurde (felsenfest-Verlag):
Liedtext: Folgen
Folgen – Leben mit Jesus hat Folgen. Die alten Pläne und Ideen zähl’n nicht mehr.
Folgen – komm, wir wollen ihm folgen. Sein Weg ist gut. Wir gehen hinterher.
Folgen heißt zu lernen, / von sich selbst wegzuseh’n, / die Not der Welt erkennen und mutig loszugeh’n. / Heißt Hilflosen zu helfen, / mit Trost und gutem Rat. / Heißt reden, heilen, handeln, / so wie es Jesus tat.
Folgen heißt zu leben / für Gottes großes Ziel, / heißt sich dort einzusetzen, / wo niemand sonst es will. / Die Last des andern tragen, / der schwer zu schleppen hat, / sein Kreuz auf sich zu nehmen, / so wie es Jesus tat.
Folgen heißt zu opfern, / was lebenswichtig scheint, / heißt manches aufzugeben, / was man zu brauchen meint. / Heißt viel mehr zu gewinnen / als man verloren hat; / zum Leben durchzudringen, / so wie es Jesus tat.
…
Liedtext: Wer Jesus folgt
Wer Jesus folgt, führt kein bequemes Leben, / der macht sich nützlich, dort, wo er es kann. / Der setzt sich ein, will Liebe weitergeben. / Der hat ein Ziel und arbeitet daran. / Wer Jesus folgt, der braucht sich nicht zu klammern / an Geld, Beruf, Familie oder Haus. / Der kann nicht über Langeweile jammern – / der Auftrag Gottes fordert ihn heraus.
Wer Jesus folgt, der muss nicht mehr rotieren, / sich nicht mehr länger um sich selber drehn. / Der will dem Zeitgeist nicht mehr applaudieren, / der wagt es, gegen Unrecht vorzugehn. / Wer Jesus folgt, scheut nicht vor Hindernissen. / Er weiß: Der Weg, den Gott mich führt, ist gut. / Der hütet sich vor faulen Kompromissen, / macht ganze Sache, zeigt Profil, hat Mut.
Wer Jesus folgt, kann lernen zu verzichten, / von sich und seinen Wünschen wegzusehn. / Der muss sich nicht mehr nach der Masse richten, / der hat den Mut, zu Gottes Wort zu stehn. / Wer Jesus folgt, der wagt’s, nach vorn zu schauen, / weil er nicht dumpfer Zukunftsangst verfällt. / Der tut was, will an Gottes Reich mitbauen, / der freut sich schon auf Gottes neue Welt!
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