Ewigkeitssonntag – Hoffnung am letzten Sonntag des Kirchenjahres

Dieser Beitrag enthält: <A> eine kurze Erläuterung des „Ewigkeitssonntags“; <B> am Ende des Artikels sind vor allem lyrische Texte zum Thema Trauer & Trost zusammengestellt…

1. Ort im Kirchenjahr: Der Blick über den Anlass hinaus

Der Ewigkeitssonntag – vielerorts noch unter dem älteren Namen Totensonntag bekannt – beschließt in den evangelischen Kirchen Deutschlands und der Schweiz das Kirchenjahr: Er ist immer der letzte Sonntag vor dem 1. Advent, also ein Datum zwischen dem 20. und 26. November.

Seit dem Mittelalter sind die letzten Sonntage des Kirchenjahres thematisch den „letzten Dingen“ gewidmet:
der drittletzte Sonntag dem Tod,
der vorletzte dem Gericht,
der letzte dem ewigen Leben.

Damit bündelt der Ewigkeitssonntag am Ende des Jahres die großen Fragen der Menschen: Was bleibt? Was trägt im Angesicht des Todes? Woran entscheidet sich unser Leben?

2. Historische Entstehung: Von Preußen in die ganze evangelische Kirche

In seiner heutigen Form geht der Tag auf eine konkrete historische Entscheidung zurück:

Am 24. April 1816 und erneut am 25. November 1816 bestimmte König Friedrich Wilhelm III. von Preußen per Kabinettsorder, dass der letzte Sonntag im Kirchenjahr als „allgemeines Kirchenfest zur Erinnerung an die Verstorbenen“ in den preußischen Gebieten begangen werden solle.

Die Motive waren vielschichtig:
das Gedenken an die vielen Gefallenen der Befreiungskriege 1813–1815,
die persönliche Trauer des Königs um Königin Luise († 1810),
und das Fehlen eines ausgeprägten Totengedenkens im evangelischen Kirchenjahr.

In der Folge übernahmen andere Landeskirchen diese Regelung. Der Tag setzte sich zunächst unter dem Namen Totensonntag durch. Seit der liturgischen Bewegung des 20. Jahrhunderts und besonders mit der revidierten Ordnung gottesdienstlicher Texte und Lieder (2018) wird der theologische Schwerpunkt stärker betont:

Der „Letzte Sonntag des Kirchenjahres“ hat eine doppelte Blickrichtung:
. als Ewigkeitssonntag: Ausblick auf die Wiederkunft Christi und das Leben im Reich Gottes,
. als Totensonntag: Gedenken an die Verstorbenen und Trost für die Trauernden.

3. Liturgische Praxis: Erinnern im Licht der Verheißung

Typisch für den Ewigkeitssonntag sind Formen des Totengedenkens, die sich in vielen Landeskirchen ähneln:

.Verlesen der Namen der Verstorbenen des zu Ende gehenden Kirchenjahres,
. Entzünden von Kerzen für jede verstorbene Person, oft am Taufstein oder am Altar,
. besondere Einladung der Angehörigen,
. Gottesdienste auf dem Friedhof oder im Anschluss an die Gräbergänge.

Diese Praxis nimmt die Realität von Tod und Trauer ernst und weicht dem Schmerz nicht aus. Zugleich aber steht das Totengedenken nicht isoliert, sondern im Rahmen eines Gottesdienstes, der vom Evangelium her gestaltet ist: von Lesungen, Gebeten und Liedern, die das Reden Gottes über Tod, Gericht und Ewigkeit ins Zentrum rücken.

4. Biblischer Horizont: Die letzten Dinge im Licht des Neuen Testamentes

Die Perikopen für den Ewigkeitssonntag spiegeln diese Spannung von Ernst und Hoffnung wider. Häufig begegnen:

. Matthäus 25,1–13 – das Gleichnis von den klugen und törichten Jungfrauen, als klassisches Evangelium des Ewigkeitssonntags,

. Johannes 5,24–29 – über das Gericht und die Stimme des Sohnes, die die Toten ruft,

. 1. Korinther 15,35–44 – über die Auferstehung des Leibes,

. 1. Thessalonicher 4,13–18 – über die Hoffnung „nicht wie die anderen, die keine Hoffnung haben“,

. Offenbarung 21,1–5 – die Vision der neuen Schöpfung: „Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen.“

Diese Perikopen führen eine gemeinsame Linie zusammen:

a) Der Tod ist Realität – biologisch, existenziell, geistlich.
b) Das Gericht Gottes ist unvermeidlich – Gott nimmt die Verantwortung des Menschen ernst.
c) Die Auferstehung und die neue Schöpfung sind Gottes eigene Antwort – nicht unsere Projektion.

Alle drei Themen stehen nicht nebeneinander, sondern sind christologisch zentriert: In Jesus Christus zeigt Gott, wie er mit Tod und Gericht umgeht.

5. Gericht und Gnade: Warum Christenmenschen hoffnungsvoll vom Gericht reden können

Das Wort „Gericht“ könnte bei vielen zunächst Angst auslösen. Biblisch betrachtet ist das Jüngste Gericht aber zuvorderst Ausdruck von Gottes Gerechtigkeit:
. Verdrängtes Unrecht kommt ans Licht.
. Opfer von Gewalt, Lüge und Ausbeutung werden ernst genommen.
. Die Geschichte der Welt bleibt Gott nicht egal.

Doch das Neue Testament verbindet das Gericht untrennbar mit der Person von Jesus Christus:
. „Denn der Vater richtet niemand; sondern alles Gericht hat er dem Sohn übergeben“ (Joh 5,22).
„Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, hat ewiges Leben und kommt nicht ins Gericht, sondern er ist vom Tod zum Leben hindurchgedrungen“ (Joh 5,24).

Das heißt:
. Der, der richtet, ist derselbe, der für uns gestorben ist.
. Der Richter trägt an seinen Händen die Wundmale.

Im Licht der Reformation lässt sich sagen:
Angesichts des Gerichtes besteht niemand aus eigener Gerechtigkeit (Röm 3,23).
Aber wer an Christus glaubt, darf gewiss sein: „So gibt es nun keine Verdammnis für die, die in Christus Jesus sind“ (Röm 8,1).

Damit ist das Gericht nicht relativiert, sondern durch Christus hindurch neu gedeutet:
Die Entscheidung fällt an ihm – daran, ob wir ihm vertrauen oder uns auf uns selbst verlassen. Die reformatorische Zusage „allein aus Glauben, allein aus Gnade, allein um Christi willen“ ist nicht frommes Schlagwort, sondern ernstzunehmende Eschatologie:

Wer sich im Glauben an Christus bindet, ist im Gericht an den gebunden,
der schon jetzt für ihn eintritt (1 Joh 2,1–2).

6. Jesus Christus als „Erstling“: Auferstehung der Toten und himmlische Wohnungen

Der Ewigkeitssonntag ist nicht nur Tag des Totengedenkens, sondern vor allem Tag der Auferstehungshoffnung. In 1. Korinther 15 nennt Paulus Jesus Christus den „Erstling unter denen, die entschlafen sind“ (1 Kor 15,20). Das ist eine theologisch hoch konzentrierte Aussage:
„Erstling“ meint im alttestamentlichen Sinn die erste Garbe der Ernte, die Gott dargebracht wird und die die ganze Ernte repräsentiert. Indem Gott Jesus vom Tode auferweckt, wird sein Schicksal zum Vorzeichen für alle, die zu ihm gehören.

Die Logik des Apostels Paulus lautet:

„Denn wie in Adam alle sterben, so werden in Christus alle lebendig gemacht werden. Ein jeder aber in seiner Ordnung: als Erstling Christus; danach, wenn er kommen wird, die, die Christus angehören“ (1 Kor 15,22–23).

Demnach ist die Auferweckung der Glaubenden die Konsequenz der Auferweckung Jesu.

Wenn von Jesus in Johannes 14,2–3 bezeugt wird:
„In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen … Ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten“, dann ist das nicht romantische Jenseitsmalerei, sondern eine eschatologische Verheißung:

Die Gemeinschaft mit Christus, die im Glauben beginnt, wird im Tod nicht aufgehoben, sondern vollendet.

Die „himmlischen Wohnungen“ sind Bilder für eine Realität, die unsere Vorstellungskraft übersteigt: die bleibende Gemeinschaft mit Gott im Angesicht Jesu Christi.

7. Ewigkeitssonntag heute: Trauerkultur und Hoffnungsgemeinschaft

In einer säkular dominierten Gesellschaft ist der Umgang mit Tod und Sterben oft ambivalent:
Einerseits ist starke Todesverdrängung erkennbar, gleichzeitig aber auch Sensibilität für Rituale, Erinnerungsorte und angemessene „Trauerkultur“.

Der Ewigkeitssonntag kann hier eine öffentlich sichtbare, aber theologisch profilierte Antwort geben:

a) Der Ewigkeitssonntag bietet Sprache für das Unsagbare.
Psalmen wie Psalm 90 („Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden“) oder Psalm 126 („Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten“) verbinden Klage und Hoffnung und werden in der gottesdienstlichen Ordnung des Tages bewusst aufgegriffen.

b) Der Ewigkeitssonntag verbindet persönliche Trauer mit der Geschichte Gottes.
Die Namen der Verstorbenen werden nicht im luftleeren Raum verlesen, sondern unter dem Wort und im Gebet. So wird deutlich: der Einzelne ist eingebettet in Gottes größere Geschichte mit seiner Gemeinde und seiner Welt.

c) Der Ewigkeitssonntag widersteht jeder billigen Vertröstung.
Der Ewigkeitssonntag verschweigt das Gericht nicht, sondern verortet es im Licht Christi. Und er spricht von Auferstehung, ohne den Tod zu verharmlosen.

Die Theologin Magdalene L. Frettlöh nennt den Ewigkeits- und Totensonntag ein „Fest der Hoffnungsgemeinschaft von Verstorbenen und Lebenden“.
Damit ist eine Dimension benannt, die über jede individuelle Trauer hinausführt: Christenmenschen hoffen gemeinsam – über Generations- und Lebensgrenzen hinweg – auf die Vollendung in Christus.

8. Verkündigende Zusage: „Wir werden ihn sehen“.

Was bedeutet das nun für die Gemeinde?

a) Für die Trauernden:
. Die Botschaft des Ewigkeitssonntags lautet nicht: „Es wird schon irgendwie weitergehen.“
Sondern:
. Gott hat in Jesus Christus den Tod persönlich auf sich genommen.
. Christus ist wirklich auferstanden.
. Die, die ihm vertrauen, sind „mit Christus gestorben“ und werden „mit ihm leben“ (Röm 6,8).
Darum dürfen wir unsere Verstorbenen in Gottes Hände geben – im Vertrauen darauf, dass ihre Geschichte bei ihm nicht beendet, sondern aufgehoben ist.

b) Für die, die ihr weiteres Leben zu „meistern“ haben:
Der Ewigkeitssonntag konfrontiert uns mit der Frage:
. Wovon lebe ich – wenn alles Vorläufige wegbricht? (Also: Was trägt/ was hält?)
. Das Neue Testament lädt ein, diese Antwort nicht in Leistung, Erfolg oder Frömmigkeit zu suchen, sondern in der Person Christi:
. Er ist „der Erstgeborene von den Toten“ (Kol 1,18).
. Er ist der, „der wiederkommen wird, zu richten die Lebenden und die Toten“.
. Und er ist zugleich der, der für uns eintritt (Hebr 7,25).

Wer ihm dem gekreuzigten und auferstandenen Jesus Christus vertraut, braucht das Gericht weder zu leugnen noch zu fürchten. Denn über dem Gericht steht die Zusage:
„Christus ist für uns gestorben, Christus ist für uns auferstanden, Christus wird wiederkommen“ (vgl. 1 Kor 15,3–4).

c) Für die Gemeinde insgesamt
Eine Gemeinde, die Ewigkeitssonntag bewusst feiert, bekennt damit:
. Wir nehmen den Tod ernst – aber er hat nicht das letzte Wort.
. Wir rechnen mit Gottes Gericht – aber wir halten uns an den, der uns rechtfertigt.
. Wir leben in dieser Welt – aber unsere eigentliche Zukunft liegt in Gottes Ewigkeit.

Vielleicht kann eine schlichte Bitte den Ton dieses Sonntags beschreiben:

„Herr Jesus Christus,
wir bringen dir unsere Toten
und unser eigenes Sterben.
Bewahre uns im Glauben an dich,
auf dass wir vor deinem Angesicht bestehen
und am letzten Tag mit allen deinen „Heiligen“
auferweckt werden zum Leben.
Amen.“

So ist der Ewigkeitssonntag kein Tag für schnelle Trostformeln, sondern ein sorgfältig verorteter Hoffnungssonntag:
am Ende des Kirchenjahres – und am Horizont der Verheißung, dass Gott „alles neu macht“ (Offb 21,5).

 

C.H., im November 2017, geringfügig überarbeitet im November 2025

 

Ausgewählte Texte zum Thema TRAUER & TROST:

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Siehe, um Trost war mir sehr bange. Du aber hast dich meiner Seele herzlich angenommen, dass sie nicht verdürbe; denn du wirfst alle meine Sünden hinter dich zurück.

Jesaja 38,17

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Gott will das dunkle Gestern
in ein helles Morgen verwandeln –
zuletzt in den leuchtenden Morgen der Ewigkeit.

Martin Luther King

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Ich will dich trösten – zu Jesaja 66,13 und Psalm 131,2

Bist von grenzenloser Liebe eingehüllt. Von einer Liebe, die sich hingibt, sich verschenkt, die behutsam deine leeren Hände füllt, die zuerst an das, was dir jetzt gut tut, denkt. Die sich ganz für dich entscheidet und nicht erst fragt, was du daraus machst. Die, wenn du leidest, mit dir leidet und mit dir lacht, wenn du lachst.

Ich will dich trösten, ich will dich trösten. Ich will dich trösten – wie eine Mutter tröstet. Ich will dich trösten, ich will dich trösten. Ich will dich trösten wie eine Mutter ihr Kind.

Ganz geborgen, auch wenn du es grad nicht spürst, dass da jemand greifbar nahe bei dir ist. Jemand, den du nicht durch Masken irre führst, jemand, der dich so nimmt, wie du eben bist. Der dich mit guten Worten segnet, der deine kranke Seele pflegt, der dir mit Zärtlichkeit begegnet, der seinen Arm um dich legt.

Ich will dich trösten, ich will dich trösten. Ich will dich trösten – wie eine Mutter tröstet. Ich will dich trösten, ich will dich trösten. Ich will dich trösten wie eine Mutter ihr Kind.

Christoph Zehendner

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…hinabgestiegen in das Reich des Todes…

Kennen Sie Menschen, für die scheinbar alle unangenehmen Erfahrungen im Leben ganz einfach weg-gebetet und weg-geglaubt werden können? Ehrlich gesagt: Ich halte eine „theologia gloriae“ ohne die „theologia crucis“ für unbiblisch. Das heißt: Wir können und dürfen die Kreuzwege und bitteren Erfahrungen nicht leugnen. Wir dürfen sie nicht überpinseln mit Hilfe einer vorschnellen Herrlichkeits- und Sieges-Theologie.

Warum nicht? Weil auch in der Bibel keine einzige Leid-Erfahrung beschönigt wird. Im Gegenteil: Die Bibel sagt: Wir müssen da durch. Wir müssen durch mehr oder weniger alles hindurch – wie durch die Hölle. Auch das letzte Buch der Bibel ist ganz realistisch. Keine Träne wird geleugnet. Tränen werden geweint. Das soll auch so sein. Vorschnelle „Jesus-macht-alles-wieder-gut-Weine-nicht-Sprüche“ können Verheerendes anrichten. Denn trauernde Menschen erwarten offene Ohren, Respekt, Verständnis, Einfühlungsvermögen, Ehrlichkeit und mehr.

Tröstende Menschen brauchen Geduld und Liebe, langen Atem, Sensiblität und nach Möglichkeit auch das Verwurzelsein in einem tiefen und echten Glauben.

Nicht selten dauert Trost lange. Und manchmal sind wir drauf und dran, den Mut zu verlieren. Auch weil es nicht in unser aller Wunschbild von Gott passt, dass er eben nicht auf Knopfdruck alles Leid in Freude verwandelt. Aber bitte denken Sie, denkt Ihr an die biblische Verheißung, die schon jetzt unsere Kreuzwege kreuzt:

Wenn du auch durchs dunkle Tal wanderst, so ist ER bei dir. Seine Nähe zaubert leider den dunklen Tunnel nicht so schnell weg wie wir das gerne hätten. Aber er wird dich hindurch-leiten.

Und wenn du dann mal durch den dunklen (möglicherweise relativ langen) Tunnel hindurch bist, wenn du es „geschafft hast“, wenn du hindurch-begleitet worden bist (falls du das möchtest), dann leuchtet dir Gottes neue Wirklichkeit! Gott selbst wird es sein, der die Spuren des Bösen, des Alten, des Kaputten abwischen wird (Offenbarung 21 Vers 4). Wenn alles wackeln wird, dann gilt wenigstens noch diese Zukunfts-Verheißung aus Gottes ewiger Welt.

Besonders in diesem Zusammenhang hat die Passionszeit (das Gedenken an das Leiden und Sterben von Jesus) ihren sichtbaren Sinn. Und eine tiefe seelsorgliche Dimension: Wem es schlecht geht (körperlich und/ oder seelisch), der ist eingeladen zum Kreuz. Da hängt der Schmerzensmann. Bibeldeutsch: Das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt trägt (Johannes 1 Vers 29). Jesus hat das Böse nicht durch eine Blitzaktion zerplatzen lassen. Sondern Jesus hat das Böse getragen. An diesem Ort – Golgatha – wo Jesus unter der Last zusammengebrochen ist, da dürfen wir innehalten. Und Stück für Stück auf uns wirken lassen, was hier passiert: Alles Leid, das Menschen je gelitten, jeder Schmerz, der uns peinigt, schreckliche Angst, die uns begegnet, tiefe Verlorenheit, die keinem von uns fremd ist: Es gibt nichts, was Jesus nicht ertragen hat. Nichts, was er nicht erlitten hat. Nichts, was ihm nicht angetan wurde. Deshalb wird er uns verstehen, wenn wir flehen, schreien, beten! Deshalb wird er uns halten, wenn wir den Boden unter den Füßen verlieren! Niemand kann tiefer fallen als in Gottes Arme. Jesus Christus ist Gottes eindrückliches Exempel. An Jesus statuiert der lebendige Gott seine Schöpfermacht.

Er spricht ein Wort. Und: Jesus lebt! Gott hat ihn auferweckt. Wirklich auferweckt. Aus dem Tode herausgeholt. Halleluja!

Ein tragendes Treppengeländer auf meinem Lebensweg ist für mich immer wieder der feierliche Osternachts-Gottesdienst: Die Kirche ist dunkel. Alles schmeckt nach Tod. Und der wird nicht weggezaubert. Sondern er wird ausgehalten, während wir alle innehalten – und spüren, dass der Tod eine schmerzhafte Realität ist. Aber: Diese Realität wird nicht verdrängt, sondern wird durchlitten und durchschritten und – am Ende besiegt! Diese biblische Befreiungs-Botschaft können alle Generationen auf sich wirken lassen: Aus Dunkel wird Licht. Langsam aber sicher. Aus Trauer wird Freude. Nicht sofort – aber ganz sicher! Aus Wut wird Mut – das ist sicher.

Von ganzem Herzen wünsche ich Ihnen und Euch die Erfahrung der therapeutisch-tröstlichen Seelsorge des lebendigen Gottes! Mögen diese Trost-Seiten hier eine kleine Ahnung/ ein kleiner Hauch von „imitatio Dei“ sein – zaghaft-andeutungsweise Nachahmung Gottes im menschlichen Miteinander – mit dem Wissen: Wenn Menschen Böses widerfährt, dann muss geholfen werden. Unaufdringlich und „echt“ aber gleichzeitig so wirksam wie möglich.

Und möge der lebendige Gott Ihnen und Euch mit seinen Gedanken so nahe wie möglich sein: „Denn ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe, spricht der HERR: Gedanken des Friedens und nicht des Leides!“

Ihr und Euer Pfarrer Carsten Heß

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Am Abend der Welt

Selbst in der tiefsten aller Krisen bist du, Gott, uns Menschen nah. Selbst am Ende unsrer Tage scheint dein Licht uns hell und klar. Selbst im Tod schenkst du uns Leben, schenkst uns Hoffnung, sprengst die Zeit. Drum kannst du uns aufsteh’n helfen aus den Krisen unsrer Zeit.

Clemens Bittlinger

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Jenseits der Zeit gibt es kein Leid. Keine Tränen an dem Ort, den wir Himmel nennen.

Clemens Bittlinger

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Hiob wird von drei Freunden besucht

Als aber die drei Freunde Hiobs all das Unglück hörten, das über ihn gekommen war, kamen sie, ein jeder aus seinem Ort: Elifas von Teman, Bildad von Schuach und Zofar von Naama. Denn sie waren eins geworden hinzugehen, um ihn zu beklagen und zu trösten. Und als sie ihre Augen aufhoben von ferne, erkannten sie ihn nicht und erhoben ihre Stimme und weinten, und ein jeder zerriss sein Kleid und sie warfen Staub gen Himmel auf ihr Haupt und saßen mit ihm auf der Erde sieben Tage und sieben Nächte und redeten nichts mit ihm; denn sie sahen, dass der Schmerz sehr groß war.

Hiob 2,11-13

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Welch ein Freund ist unser Jesus, weist den Weg und kennt das Ziel. Brücke zwischen Gott und Menschen. Keine Last ist ihm zu viel. Wie oft haben wir gezweifelt und uns um uns selbst gedreht? Wenden wir den Blick zu ihm hin, machen ernst mit dem Gebet.

Wenn Verwirrungen uns drohen, und manch Sturm rings um uns weht, brauchen wir uns nicht zu fürchten, sind getröstet im Gebet. Da erweist sich Jesu Treue, wie er uns zur Seite steht als ein mächtiger Erretter, denn er hört unser Gebet.

Sind mit Sorgen wir beladen, so dass niemand mit uns geht, er verheißt uns seine Nähe, weil er immer zu uns steht. Richten wir den Blick zum Licht hin, schöpfen Kraft aus dem Gebet: Jesus zeigt sich als der wahre König, Priester und Prophet.

Text: Joseph Scriver 1820-1885 (Überarbeitung: C. Heß); Melodie: Charles Crozat Converse 1834-1918

 

 

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Der Pilot

Hast du auch schon oft geglaubt, du könntest keinen Schritt mehr weitergehn? Bist du auch oft wie krank, dem Irrsinn nah? Doch Weltschmerz-Tabletten gibt es nicht. Und bevor Du Dich total verlierst, schafft ER Dir wieder klare Sicht. Wenn Du jonglierst und die Balance verlierst, wenn sich der Abgrund auftut ohne einen Halt, dann ist Er da! Denn wenn’s drauf ankommt, ist Jesus dein Pilot, der dich sicher durch alle Stürme der Gefühlswelt fliegt. Wenn dir der Abstieg ins Jammertal droht, ist ER die Quelle des Lebens, die nie versiegt!

nach Clemens Bittlinger, 2001

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Die Platte am Grab ist weggerollt, die Gruft ist leer, der Leichnam fort. Zwei Römer schaun sich ratlos an: „Wer außer Gott durchbricht den Tod?“

Zwei Frauen gehen Sonntagfrüh zum Grab – erschrocken finden sie statt Friedhofsluft ein helles Licht, weil Jesus auferstanden ist! Die Salbe war schon angerührt, mit der man Mumien konserviert. Der seligen Erinnerung blieb keine Zeit, weil Jesus lebt! Als er sich zeigt, mit ihnen spricht – fast glauben sie’s noch immer nicht -, verkünden sie im Jüngerkreis: Die Liebe hat den Tod besiegt!

Die Platte am Grab ist weggerollt, die Gruft ist leer, der Leichnam fort. Zwei Römer schaun sich ratlos an: „Wer außer Gott durchbricht den Tod?“

Er zeigt sich Hunderten. Und doch hält sich die Skepsis immer noch: „Ein großer Toter und nicht mehr!“ – bis Jesus sich dann selbst beweist. „Wir pflegen seine Tradition,“ – so dachten viele Leute schon, „nur seine Worte leben fort“ – Irrtum! – Denn Christus ist das Wort! Wir sehen, wie er Menschen prägt, sich spürbar unter uns bewegt. Wer mit ihm spricht, hört Trost und Rat und findet jemand, der ihn liebt.

Die Platte am Grab ist weggerollt, die Gruft ist leer, der Leichnam fort. Zwei Römer schaun sich ratlos an: „Wer außer Gott durchbricht den Tod?“

Wenn du nun meinst, dein Glück verwest, weil du am Grabe deiner Hoffnung stehst, dann dreh dich um zu ihm – er lebt! Und Freude füllt den Raum der Angst. Und wer von uns am Ende ist, wer alles außer Schmerz vermisst, soll wissen: Seine Gegenwart gibt Mut für einen Neubeginn! Wir sagen’s laut trotz allem Spott: Es gibt ein Leben nach dem Tod. Und heute schon entscheidet sich, ob du mit Christus auferstehst.

Die Platte am Grab ist weggerollt, die Gruft ist leer, der Leichnam fort. Zwei Römer schaun sich ratlos an: „Wer außer Gott durchbricht den Tod?“

Andreas Malessa

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(zu Lukas 24 – die „Emmaus-Jünger“)

Ins Tal, es geht bergab ins Tal, es geht nur noch bergab. Der Wein von gestern schmeckt heut‘ schal, das Leben liegt im Grab. Die Zeit mit ihm – sie war ein Traum, ein bunter Luftballon. Wir woll’n auf Trümmer Neues bau’n. Was bleibt uns and’res schon?

Du kommst zu uns und siehst uns an, und gehst mit uns ins Tal. Du lebst, das Leben fängt neu an. Wir sind dir nicht egal. Mit dir beginnt die neue Zeit, wir geh’n mit dir ins Licht. Sind uns’re Wege noch so weit: Du, Herr, verlässt uns nicht.

Wer bist du, Fremder, neben uns? Was fragst du, was uns drückt? Bleib hier, erweis uns diese Gunst, damit die Nacht nicht siegt. Ins Tal, es geht bergab ins Tal, und trotzdem geht’s bergauf. Als hörten wir zum ersten Mal, schließt du Gott für uns auf.

Wir sehen, was wir nie gesehn und ahnen, was Gott will. Komm mit ins Haus, du darfst nicht geh’n, du Fremder ohne Ziel. Du sprichst mit Gott, du brichst das Brot, und plötzlich ist und klar: Du lebst, du bist nicht länger tot. Ein Traum wird heute wahr.

Du kommst zu uns und siehst uns an, und gehst mit uns ins Tal. Du lebst, das Leben fängt neu an. Wir sind dir nicht egal. Mit dir beginnt die neue Zeit, wir geh’n mit dir ins Licht. Sind uns’re Wege noch so weit: Du, Herr, verlässt uns nicht.

Christoph Zehendner

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Dann halt ich fest an dir

Wenn das Klima sich verändert und der Meeresspiegel steigt, wenn die Chancen kleiner werden, sich die Zeit dem Ende neigt, dann weiß ich nur eins: Ich halte fest an dir.

Sind die Wünsche in mir stärker, die nicht deine Wünsche sind, weiß ich wohl, du wirst mich leiten, denn ich bin ja doch dein Kind, und dann weiß ich nur eins: Ich halte fest an dir!

Wenn die Freunde einmal gehen, gerade dann, wenn ich sie brauch‘, wenn die Kräfte schwächer werden, o Herr, dann bedenk ich auch, und dann weiß ich nur eins: Ich halte fest an dir!

Jedes Grauen währt nur bis zum dritten Tag, denn du bist nicht im Tod geblieben. Das Dunkel zieht vorüber, und die Auferstehung naht. Jedes Grauen währt nur bis zum dritten Tag.

Beate Ling

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Gnädiger Gott, lass dein Angesicht leuchten. Kehr bei uns ein mit dem Geist deiner Kraft. Gnädiger Gott, steck und an mit der Liebe, die neues Leben schafft. Kehr bei uns ein mit deiner Kraft.

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Gott hört dein Gebet

Wenn die Last der Welt dir zu schaffen macht, hört er dein Gebet. Wenn dich Furcht befällt vor der langen Nacht, hört er dein Gebet.

Er hört dein Gebet, hört auf dein Gebet. Er versteht, was sein Kind bewegt. Gott hört dein Gebet.

Wenn du ängstlich bist und dich selbst verneinst, hört er dein Gebet. Wenn du kraftlos wirst und verzweifelt weinst, hört er dein Gebet.

Wenn die Menschheit vor ihrem Ende steht, hört er dein Gebet. Wenn die Sonne sinkt, und die Welt vergeht, hört er dein Gebet.

Er hört dein Gebet, hört auf dein Gebet. Er versteht, was sein Kind bewegt. Gott hört dein Gebet.

Christoph Zehendner

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Hab‘ keine Angst

Und wenn du morgen dann wieder allein bist in einem Alltag voll Ratlosigkeit, wenn das Singen und Lachen verstummt ist, überlagert von Ärger und Streit. In die lähmende Angst vor der Zukunft, in das Erschrecken vor Krankheit und Leid klingt seit Ostern das Lied eines Siegers: Keine Angst, ich bin da – jederzeit!

Hab keine Angst und fürchte dich nicht, denn die Herrschaft des Bösen zerbricht an der Liebe, die selbst noch den Tod überlebt. Ich bin da, darum fürchte dich nicht!

Und wenn du morgen wieder zweifelst, ob es wahr ist, dass Jesus Christus hier unter uns lebt, gibt es Menschen, durch die er dir nah ist, alle Lieblosigkeiten vergibt. Durch einen Türspalt dringt Licht aus dem Festsaal in unser Zimmer der Diesseitigkeit, und bevor sich dies Tor für dich öffnet, klingt von drüben sein Lied in die Zeit:

Hab keine Angst und fürchte dich nicht, denn die Herrschaft des Bösen zerbricht an der Liebe, die selbst noch den Tod überlebt. Ich bin da, darum fürchte dich nicht!

Andreas Malessa

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Hoffnung

Wenn die Sterne nicht mehr scheinen, weil der Rauch die Sicht verhüllt, wenn es kalt wird auf der Erde und die Liebe nichts mehr gilt. Wenn das Leben nur noch Angst macht, wenn man jeden Halt verliert, weil die Standpunkte verrutschen und der Abgrund größer wird.

Dann gibt es – trotz allem – Hoffnung: Eine Hoffnung, die uns bleibt. Er wird kommen wie der Morgen, der die lange Nacht vertreibt.

Wenn es aussieht, als ob alles, was mal schön war, untergeht, wenn die Katastrophen wüten, jede Rettung kommt zu spät. Wenn der Hass auf alles Fremde sich in uns’re Herzen frisst, wenn man Gottes große Liebe und das, was sie tut, vergisst.

Wenn es scheint, als ob der Glaube nur ein großer Irrtum war. Wenn es heißt, Gebet ist sinnlos, und wer betet, ist ein Narr. Wenn es aussieht, als ob Christen ohne jede Hoffnung sind, und wenn alle Leute sagen, dass die neue Zeit beginnt.

Dann gibt es – trotz allem – Hoffnung: Eine Hoffnung, die uns bleibt. Er wird kommen wie der Morgen, der die lange Nacht vertreibt.

Johannes Nitsch

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Unterm Schirm – zu Psalm 91

Wer unterm Schirm des Höchsten wohnt und im Schatten des Allmächtigen schläft, der weiß genau, dass da jemand ist, der auch in dunklen Stunden durchträgt. Gott lässt keinen los, der sich fallen lässt – in seine starke Hand.

Wenn Freunde dich verlassen, die Einsamkeit dich beschleicht, und die Angst vor der Nacht dich lähmt und dich unruhig macht, wenn du am wenigsten daran denkst, dann ist er da.

Wenn man dir Fallen stellt, sich Lügen über dich erzählt, wenn du am Boden liegst und keinen Ausweg mehr siehst, wenn du am wenigsten daran denkst, dann ist er da.

Wenn Sorgen dich befallen – vor Krankheit, Krieg, Tod und Leid, und du vor Lebensangst nicht einmal mehr beten kannst, wenn du am wenigsten daran denkst, dann ist er da.

Wer unterm Schirm des Höchsten wohnt und im Schatten des Allmächtigen schläft, der weiß genau, dass da jemand ist, der auch in dunklen Stunden durchträgt. Gott lässt keinen los, der sich fallen lässt – in seine starke Hand.

Bernd-Martin Müller & Thea Eichholz-Müller

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zu Psalm 139

Wohin sollt ich gehen vor deinem Geist und fliehen vor deinem Blick? Es wäre umsonst, weil du alles weißt; du brächtest mich wieder zurück. Du bist ja an allen Orten zugleich, bist immer und überall nah. Und macht ich mein Lager im Totenreich, mein Gott, so wärst du auch da!

Und nähm ich auch Flügel das Morgenrot und bliebe am äußersten Meer, um dadurch zu fliehen vor deinem Gebot, du kämest doch hinter mir her. Nein, mehr noch: Du folgtest nicht nur meiner Flucht, du bist ja auch immer schon dort. Kein Punkt, wo nicht ständig dein Auge mich sucht, es gibt ohne dich keinen Ort.

Wenn ich mich in Himmel und Hölle versteck‘, Herr, Gott, dir entginge ich nicht. Und wär es, dass Finsternis ganz mich bedeckt, vor dir wäre Dunkelheit Licht. Und fliehe ich weit über Meere und Land, ganz fern bis ans Ende der Welt, es gibt keinen Ort, wo nicht führt deine Hand, und nicht deine Rechte mich hält.

Johannes Nitsch

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Der morgige Tag wird für das Seine sorgen

Kürzlich habe ich im Fernsehen einen Bericht vom Gewichtheben verfolgt. Im Vorbereitungsraum wärmten sich die Kämpfer auf: Sie trieben ein wenig Gymnastik und hielten sich mit leichten Gewichten fit. Was würde wohl passieren, wenn ein Gewichtheber sich überlegt: „Ob ich wohl die Last schaffen werde, die ich nachher im Wettkampf bewältigen muss?“ Und dann schraubt er sich die entsprechenden Gewichte an die Hantel. Schließlich stemmt er die volle Last unten im Vorbereitungsraum. Kurzsichtig, so etwas. Kein Sportler würde so dumm sein. Das Gewicht wird ja noch gar nicht gefordert! Die Kraft, die der Heber jetzt verbraucht, wird ihm nachher im Wettkampf fehlen. Ich habe mich fragen müssen: Geht es dir bei deinen Sorgen nicht ähnlich? Wie oft bin ich mitten in der Nacht wach geworden. Voller Sorge habe ich dann an den folgenden Tag mit seinen Anforderungen gedacht. Bloß: Mein Grübeln hat nichts geholfen. Denn vieles kam völlig anders, als ich mir das je ausmalen konnte. Und immer wieder habe ich erlebt: Gott schenkt mir Kraft, Zeit und Geduld für das, was auf mich zukommt. Mein Sorgen ist umsonst.

Christoph Morgner

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Er geht mit uns durch die Nacht

Wenn der Weg ins Leiden führt, wenn man keine Kraft mehr spürt, wenn wir: „Herr, warum nur?“ fragen, steht das Eine fest:

Gott wacht, er geht mit uns durch die Nacht, er hilft uns, die Last zu tragen.

Wenn man uns verfolgt und hasst, weil es nicht ins Weltbild passt, Jesus Christus zu bekennen, steht das Eine fest: Gott wacht, er geht mit uns durch die Nacht, niemand wird uns von ihm trennen.

Es steht immer fest: Gott wacht, er geht mit uns durch die Nacht, er ist Herr, er hat die Macht, er geht mit uns durch die Nacht.

Unter Druck wird Mut geweckt und die Liebe neu entdeckt, sie lässt uns zusammenrücken, sie bewirkt in Dunkelheit Taten der Barmherzigkeit und baut über Ströme Brücken.

Einmal strahlt das Sonnenlicht hell auf unserem Gesicht und der Vorhang wird sich heben; dann sehn wir an Gottes Hand, dass im Leiden Frucht entstand und im Sterben neues Leben.

Es steht immer fest: Gott wacht, er geht mit uns durch die Nacht, er ist Herr, er hat die Macht, er geht mit uns durch die Nacht.

Erich Remmers

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zu Psalm 22

Mein Gott, mein Gott, hast du mich verlassen? Mein Gott, warum scheinst du so weit weg? Ich grüble und suche, ich rufe und weine: Alles bleibt still. Bedrohlich still. Den ganzen Tag lang quäle ich mich mit den Gedanken, warum du so weit weg zu sein scheinst, und nachts finde ich nicht in den Schlaf. Aus den Geschichten der Bibel weiß ich, dass du immer mitten drin warst im Leben der Menschen. Aber ich komme mir so unwichtig vor, und habe den Eindruck, als würde nun alles über mir zusammen brechen. Manchmal sehe ich wie im Traum die vielen Bedrängnisse um mich herum – mit weit aufgesperrten Mäulern, als wollten sie mich fressen. Mein Gott, du hast mir doch zur Welt geholfen, als meine Mutter mich zur Welt brachte, und wohl gefühlt habe ich mich, wenn sie mich stillte. Lebendiger Gott, sei bitte dicht bei mir, ich brauche dich. Jetzt ganz besonders. Ich brauche dich im Kampf gegen die Angst, die mich aufspießen und auf die Hörner nehmen will. Oft denke ich, es hat alles keinen Sinn. Dann schnürt es mir die Kehle regelrecht zu. Hörst du mich? Ich möchte gern wieder in deinem Haus sitzen, mit anderen zusammen beten und singen und zuhören, wenn gepredigt wird, und irgendwann möchte ich am Schluss wieder sagen können:

„Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit.“ Amen.

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Wir bitten, Herr, halt unsre Hände

Wir gehen, stehen und wir tanzen auf einem Steg hoch überm Tal. Die Planke trägt im großen Ganzen. Sie ist geländerlos und schmal. Wir drehn und setzen unsre Schritte arglos im Takt von Pflicht und Zeit, Nur fußbreit neben dieser Mitte droht abgrundtiefe Traurigkeit.

Wir bitten, Herr, halt unsre Hände, verstoße und verlass uns nicht. Geh diesen Weg mit uns zu Ende und halte uns im Gleichgewicht. So viele, die schon vor uns waren, hast du gesegnet und geführt. Du kannst behüten und bewahren, dass niemand dich und sich verliert.

Wenn aus vermeintlich heitrem Himmel der Blitz in die Familien schlägt, und wenn im Rosenkriegsgetümmel man Hass und Schmerzen nicht erträgt, dann schreien wir zum Gott der Väter und Mütter, die schon drüben sind. Sie balancierten viele Meter in Angst und Krieg und Gegenwind.

Wenn gute Freunde schwer erkranken, ein Elternpaar sein Kind begräbt, wenn alle Fundamente schwanken und man den Sturz doch überlebt, dann fallen wir wie je und immer nie tiefer als in Gottes Hand. Kein Abgrund unter uns ist schlimmer als der, den Christus überwand.

Wir bitten, Herr, halt unsre Hände, verstoße und verlass uns nicht. Geh diesen Weg mit uns zu Ende und halte uns im Gleichgewicht. So viele, die schon vor uns waren, hast du gesegnet und geführt. Du kannst behüten und bewahren, dass niemand dich und sich verliert.

Andreas Malessa

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Das Fragment

Mitten im Takt bricht sie ab. Die „Kunst der Fuge“ von Johann Sebastian Bach gilt als das höchste Kunstwerk, das Bach je geschaffen hat. Aber sie bleibt Fragment. Bach wurde heimgerufen, bevor er sein großes Werk zu Ende führen konnte. Ich halte den Atem an. Warum dieser Abbruch mitten im Takt ? Warum dieses jähe Ende eines reichen Lebens? Da – mitten in die bedrängende Stille hinein – erklingt wie eine Antwort der Choral „Vor deinen Thron tret ich hiermit.“ Das tödliche Schweigen mündet ein in die Anbetung und in das Lob Gottes.

Bachs „Kunst der Fuge“ als Gleichnis unseres Lebens und unserer Hoffnung, das hat Dietrich Bonhoeffer bis in seine letzten Lebenstage hinein begleitet. In einem Brief aus dem Gefängnis schreibt er, darauf bezugnehmend – am 23.2.1944 – den eigenen Tod vor Augen: „Wenn unser Leben nur ein entfernter Abglanz eines solchen Fragmentes ist, in dem der große Kontrapunkt von Anfang bis Ende durchgehalten wird, so dass schließlich nach dem Abbrechen nur der Choral angestimmt werden kann ‚Vor deinen Thron tret ich hiermit‘, dann wollen wir uns über unser fragmentarisches Leben nicht beklagen, sondern darüber sogar froh werden.“

Neukirchener Kalender vom 21.11.2004

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Gott muss bauen und bewahren (zu Psalm 127,1)

Gott muss bauen und bewahren, er muss wachen Tag und Nacht, muss uns schützen in Gefahren, er ist Liebe, er hat Macht. Gott bringt unsre Welt zum Klingen, er alleine gibt Bestand. Und wir beten und wir singen, und wir bringen ihm das Land.

Wir sind die Maurer unsres Lebens, Stein auf Stein wächst unser Haus. Doch manchmal bauen wir vergebens, ziehn noch vor dem Einzug aus. Wir sind die Maler unsrer Träume, malen zart und malen schrill. Doch kein Traum füllt die leeren Räume, weil das Herz den Himmel will.

Wir sind die Gärtner unsrer Jahre, hegen, pflegen Beet um Beet. Doch manchmal kommen bunte Stare, picken weg, was wir gesät. Wir sind die Dichter unsrer Lieder, singen Angst udn Schmerzen fort. Doch wir verstummen immer wieder: Ohne Gott fehlt uns das Wort.

Jürgen Werth

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Wunder werden wahr

Wir gehen wie blind durch diese Welt und übersehen leicht dein Handeln und dein Tun. Hilf uns zu sehn und zu verstehn, dass wir in deinen Wunderhänden ruhn.

Wunder, Wunder werden wahr. Zeichen, die noch nie ein Auge sah. Wunder, Wunder geschehn. Herr öffne uns die Augen, dass wir Wunder sehn. Wunder, Wunder werden wahr. Zeichen, die uns sagen, du bist da. Wunder, Wunder geschehn. Herr öffne uns die Augen, dass wir Wunder sehn.

Wir übersehn, was wir nicht sehn, weil wir so oft nicht glauben, dass der Glaube reicht. Lass uns vertraun und auf dich schaun, auch wenn der Glaube einem Senfkorn gleicht.

Wunder, Wunder werden wahr. Zeichen, die noch nie ein Auge sah. Wunder, Wunder geschehn. Herr öffne uns die Augen, dass wir Wunder sehn. Wunder, Wunder werden wahr. Zeichen, die uns sagen, du bist da. Wunder, Wunder geschehn. Herr öffne uns die Augen, dass wir Wunder sehn.

Christoph Zehendner

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Die Gerichtsverhandlung

Stellen Sie sich vor/ stellt euch vor: Am Ende der Zeit versammeln sich Millionen von Menschen vor dem Thron Gottes. Einige schauen ängstlich in das helle Licht, andere scheinen verärgert zu sein: „Wie kann Gott über uns zu Gericht sitzen?“, fragt jemand und zeigt eine eintätowierte Nummer aus einem Konzentrationslager. Eine junge Frau zeigt die Würgemale am Hals: „Und das nur, weil ich schwarz bin“.

Überall wurden jetzt ärgerliche Stimmen laut. Jeder richtete Klagen an Gott, weil er das Böse und das Leiden in der Welt zugelassen habe. „Wie gut hatte es Gott doch“, meinten sie, „wo er doch im Himmel in all der Schönheit und Heiligkeit zu Hause sei. Dort gibt es keine Tränen, keine Furcht, keinen Hunger und keinen Hass.“

Es bildeten sich Gruppen, und jede wählte nun einen Sprecher. Immer war es derjenige, der am meisten gelitten hatte. Da war ein Jude, ein Schwarzer, ein Unberührbarer aus Indien, ein unehelich Geborener, ein entstellter Leprakranker, ein Opfer aus Hiroshima und jemand aus einem Arbeitslager in Sibirien. Sie alle waren sich einig: Bevor Gott das Recht hatte, sie zu richten, sollte er das ertragen, was sie ertragen mussten. Gott sollte dazu verurteilt werden, auf der Erde zu leben als Mensch. Aber er sollte keine Möglichkeit haben, sich aufgrund seiner göttlichen Natur selbst zu helfen.

Er sollte als Jude geboren werden. Die Legitimität seiner Geburt sollte zweifelhaft sein. Er sollte versuchen, den Menschen zu erklären, wer Gott sei. Er sollte von seinen engsten Freunden verraten werden. Er sollte aufgrund falscher Anschuldigungen angeklagt werden, von einem voreingenommenen Gericht verhört und von einem feigen Richter verurteilt werden. Er sollte gequält werden und dann sterben, und das sollte in aller Öffentlichkeit geschehen, und zwar so schrecklich, dass kein Zweifel daran bestehen konnte, dass er wirklich gestorben sei.

Während jeder Sprecher seinen Teil des Urteils verkündete, entstand Unruhe in der riesigen Menschenmenge. Als der letzte Sprecher seinen Urteilsspruch abgeschlossen hatte, folgte ein langes Schweigen, und alle, die Gott verurteilt hatten, gingen plötzlich leise fort. Niemand wagte mehr zu sprechen. Keiner bewegte sich, denn plötzlich wusste es jeder: Gott hatte es längst alles in der Gestalt von Jesus Christus getan.

Quelle: Jürgen Spieß, Jesus für Skeptiker

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May the Lord send angels

Geh in Gottes Frieden, geh an seiner Hand und mit seinem Segen in ein neues Land. Geh, von seiner Liebe wunderbar umhüllt, und mit Mut und Hoffnung – neu erfüllt.

Herr, lass deine Wege mich verstehn, nur an deiner Hand, Herr, kann ich gehn. Wenn ich wanke, wenn ich falle, wenn ich allen Mut verlier, Herr, dann brauch ich die Gewissheit: Du bist hier.

Wenn ich nicht mehr fühl, dass du mich liebst, brauche ich den Trost, dass du vergibst. Herr, dann sende deine Engel, wie dein Wort es mir verspricht. Ich darf wissen: Du schenkst neue Zuversicht.

Geh in Gottes Frieden, geh an seiner Hand und mit seinem Segen in ein neues Land. Geh, von seiner Liebe wunderbar umhüllt, und mit Mut und Hoffnung – neu erfüllt.

(Helmut Jost)

May the Lord send angels, to guide you on your way. May his love surround you day by day. May the Lord send angels to save you from the night, wrap his arms around you and hold you tight.

Touch me Lord, I need to feel your love. Touch me with your blessings from above. When my mind gets tired and weary, and I seem to close my side. Help my heart believe that you’re still by my side.

Touch me Lord, I need your helping hand. Touch me Lord, I need to understand, when my feets get tired and weary, and I seem to loose my way. Send your angels down, don’t let me go astray.

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Gottesdienst-Gebet zum Ewigkeitssonntag 2025 (J. & D. Werth, erf)

Wir beten zusammen, und wir bitten Sie und euch, dazu aufzustehen, wenn es möglich ist.

Du möchtest, dass wir leben, Jesus. Dass wir richtig leben. Dass wir nicht nur ein bisschen leben. Du möchtest, dass wir ewig leben und nicht nur ein paar Jahre leben. Dafür hast du gelebt und dafür bist du gestorben und dafür bist du auferstanden. Dafür bist du zurückgegangen in die unsichtbare, ewige Welt deines Vaters. Und dort bereitest du alles vor für unsere Ewigkeit. Danke, dass du dich nicht mit weniger zufrieden gibst. Bitte hilf, dass wir uns auch nicht mit weniger zufrieden geben.

Wir bitten dich, dass wir das bedenken und beachten. Dass die Welt es bedenkt und beachtet. Die kleine Welt, die uns umgibt. Die Menschen, mit denen wir in Liebe und Sorge verbunden sind. Aber auch die große Welt, für die, die das Sagen haben, die über Wohl und Wehe der Welt entscheiden können oder sich wenigstens einbilden. Du willst das Leben. Erbarme dich über alle, die den Tod wollen.

Wir bitten dich für alle Täter. Wir bitten dich aber auch für alle Opfer. Du siehst, wie vielen Menschen das Leben verleidet wird. In den vielen Gegenden dieser Welt, in denen Krieg herrscht, in denen Menschen über Menschen herrschen, Menschen ausbeuten, die Schöpfung ausbeuten, deine Welt ausbeuten. Wir bitten dich, dass du uns die Hoffnung auf dich erhältst. Auf deine Liebe und auf das Leben, das du willst. Dass du uns zeigst, wo wir Zeichen dieser Liebe und dieser Hoffnung für das Leben setzen können in unserer Umgebung und in dieser Welt. Schenke uns ein erfülltes Leben hier. Und schenke uns, dass wir anderen zu einem erfüllten Leben helfen. Und schenke uns dann bitte auch das auf ewig erfüllte Leben in deiner Welt.

Du kennst und siehst auch alle Zurückbleibenden und Trauernden in unserer kleinen Welt. Bitte gib ihnen Trost und Hoffnung aus der Ewigkeit. Halte sie ganz nah bei dir. Und mach uns selbst zu Menschen, die Trost und Hoffnung bringen. Die dein Licht anzünden. Denn du bist das Licht aus dem Himmel, das unsere Erde und unsere Herzen hell und warm machen will.

Und wir beten zu dir jetzt mit den Worten, die du uns selber geschenkt hast. Wir beten das Vaterunser, das Gebet, das alles und alle einschließt und alles und alle umfasst. Wir beten miteinander:

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute,
und vergib uns unsre Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft
und die Herrlichkeit
in Ewigkeit.
Amen.