Spannendes Thema. Damals systematisch für Bibelkunde und das Fach NT exzerpiert, aufbereitet und auf Diskette gespeichert. Ende 2025 wurde das Thema wieder aktuell. Aus diesem Anlass ist aus den alten Aufzeichnungen aus dem letzten Jahrtausend nun eine Online-Lesefassung geworden. Wen’s interessiet: Viel Freude bem Lesen und Staunen, was da so alles passiert.
Erste Missionsreise: Zypern – Südkleinasien (Apostelgeschichte 13–14)
Die Apostelgeschichte erzählt, wie das Evangelium von Jerusalem aus immer weiter nach außen drängt. Einer der wichtigsten Boten wird Paulus. Er war zunächst ein entschiedener Gegner der Christen, bis er Jesus Christus begegnet und sein Leben eine neue Richtung bekommt. Von da an ist sein Auftrag klar: Er soll Jesus als den gekreuzigten und auferstandenen Herrn bezeugen – nicht nur in Israel, sondern unter den Völkern.
Der Ausgangspunkt der Missionsreisen ist Antiochia in Syrien. Dort wird Paulus zusammen mit Barnabas von der Gemeinde ausgesandt. Die erste Etappe führt nach Zypern. In Städten wie Salamis und Paphos verkünden sie Jesus. Schon hier zeigt sich ein Grundmuster: Paulus beginnt oft in der Synagoge, erklärt die Schriften und weist darauf hin, dass sich Gottes Verheißungen in Jesus erfüllen. Gleichzeitig öffnet sich die Botschaft deutlich für Menschen, die vorher keinen Zugang zum jüdischen Glauben hatten.
Von Zypern aus geht es weiter nach Kleinasien. In Perge, Antiochia in Pisidien, Ikonion, Lystra und Derbe entstehen erste Gemeinden. Die Reaktionen sind gemischt: Manche hören mit großer Offenheit zu, andere lehnen die Botschaft ab und hetzen die Bevölkerung auf. In Lystra heilt Paulus einen Mann, der von Geburt an nicht gehen konnte. Die Menschen reagieren übertrieben und wollen Paulus und Barnabas als Götter verehren. Paulus weist das entschieden zurück: Nicht Menschen sollen verherrlicht werden, sondern der lebendige Gott.
Kurz darauf kippt die Stimmung. Paulus wird gesteinigt und schwer verletzt vor die Stadt geschleift. Doch er überlebt, bleibt nicht stehen und geht weiter. Am Ende dieser Reise kehren Paulus und Barnabas bewusst in die Orte zurück, wo sie zuvor bedroht wurden, stärken die jungen Gemeinden und setzen Verantwortliche ein. Schließlich kommen sie wieder in Antiochia an und berichten, was geschehen ist: Gott hat vielen Menschen den Glauben geöffnet.
Das Jerusalemer Apostelkonzil: Klärung der Grundfrage (Apostelgeschichte 15)
Nach der ersten Reise entsteht eine entscheidende Streitfrage: Müssen Nichtjuden erst das jüdische Gesetz übernehmen, um wirklich zu Jesus zu gehören? Es kommt in Jerusalem zu einer großen Beratung der Apostel und Gemeindeleiter.
Die Entscheidung ist grundlegend: Die Rettung geschieht nicht durch religiöse Zusatzleistungen, sondern durch die Gnade Jesu Christi. Nicht das Halten des Gesetzes macht gerecht, sondern der Glaube an den Herrn. Damit ist der Weg frei, dass das Evangelium wirklich weltweit verkündet werden kann.
Zweite Missionsreise: Kleinasien – Mazedonien – Griechenland (Apostelgeschichte 15,36–18,22)
Paulus bricht erneut auf, diesmal mit Silas. Später kommt Timotheus dazu. Sie besuchen die Gemeinden der ersten Reise, stärken sie und ziehen weiter. Dann geschieht etwas Bemerkenswertes: Paulus will in bestimmte Regionen weiterreisen, doch die Apostelgeschichte beschreibt, dass der Heilige Geist den Weg verschließt. In Troas erhält Paulus nachts eine Vision: Ein Mann aus Mazedonien bittet um Hilfe. Das ist der entscheidende Schritt nach Europa.
In Philippi begegnen sie Lydia, einer Geschäftsfrau, die als erste in dieser Stadt zum Glauben kommt. Bald darauf geraten Paulus und Silas in Konflikt, werden verhaftet, geschlagen und ins Gefängnis geworfen. In der Nacht geschieht ein Erdbeben, Türen und Fesseln lösen sich. Der Gefängniswärter fürchtet das Schlimmste und fragt in seiner Verzweiflung, was er tun müsse, um gerettet zu werden. Paulus antwortet mit einem Satz, der die Mitte des Evangeliums trifft: „Glaube an den Herrn Jesus, so wirst du gerettet.“
Von Philippi aus geht es nach Thessalonich. Dort predigt Paulus in der Synagoge und zeigt aus den Schriften, dass der Messias leiden musste und dass Jesus dieser Messias ist. Einige glauben, doch es entsteht starker Widerstand. Paulus muss weiterziehen. In Beröa wird die Botschaft offener aufgenommen; die Menschen prüfen sorgfältig, ob das Gesagte mit den Schriften übereinstimmt.
In Athen begegnet Paulus einer hochgebildeten, religiös vielfältigen Stadt. Er spricht auf dem Areopag und erklärt, dass Gott nicht in Tempeln wohnt und nicht von Menschenhänden versorgt werden muss. Gott hat den Menschen nahe sein wollen. Darum ruft er zur Umkehr. Paulus endet nicht bei allgemeinen Gedanken über Gott, sondern nennt den entscheidenden Punkt: Gott hat einen Tag festgesetzt, an dem er die Welt richten wird, und er hat Jesus von den Toten auferweckt als öffentliches Zeichen dafür. Einige spotten über die Auferstehung, andere wollen mehr hören, einige kommen zum Glauben.
Schließlich erreicht Paulus Korinth, eine große Hafenstadt. Dort bleibt er länger, arbeitet zunächst als Zeltmacher und baut eine Gemeinde auf. Wieder gibt es Widerstand, aber die Arbeit wächst. Paulus bleibt, bis die Gemeinde gefestigt ist. Am Ende der zweiten Reise kehrt er über Zwischenstationen nach Antiochia zurück.
Dritte Missionsreise: Ephesus – Griechenland – Rückweg nach Jerusalem (Apostelgeschichte 18,23–21,16)
Auf der dritten Reise wird Ephesus zum Schwerpunkt. Paulus bleibt dort ungewöhnlich lange. Die Botschaft breitet sich aus, Menschen wenden sich von okkulten Praktiken ab, und das Evangelium verändert das Leben so deutlich, dass es sogar wirtschaftliche Folgen hat. In Ephesus entsteht ein Tumult, weil die Verehrung der Artemis eng mit Handel und Ansehen verbunden ist. Die Verkündigung von Jesus Christus bringt Unruhe in bestehende Systeme.
Paulus reist weiter, besucht Gemeinden, stärkt sie und nimmt Abschied. In Milet trifft er die Ältesten aus Ephesus und spricht offen darüber, dass schwere Zeiten kommen werden. Er erinnert sie an seinen Dienst, an die Verkündigung der Wahrheit und an die Verantwortung, die Gemeinde zu schützen. Er betont, dass sein Auftrag nicht auf Bequemlichkeit, sondern auf Treue ausgerichtet ist.
Paulus weiß, dass ihn in Jerusalem Gefahr erwartet. Dennoch geht er. Die Apostelgeschichte zeigt hier einen Mann, der seinen Weg nicht mehr als private Entscheidung versteht, sondern als Gehorsam gegenüber Christus.
Gefangenschaft und Reise nach Rom – Apostelgeschichte 21–28
In Jerusalem eskaliert die Situation. Paulus wird im Tempelbereich angegriffen, und es kommt beinahe zu einem Lynchversuch. Römische Soldaten greifen ein und nehmen ihn fest. Was folgt, ist eine lange Kette von Verhören, Prozessen und politischen Verzögerungen. Paulus steht vor dem Hohen Rat, später vor den Statthaltern Felix und Festus, und schließlich vor König Agrippa.
In all diesen Situationen tut Paulus nicht nur das Nötigste zur Verteidigung. Er bezeugt Jesus. Er erzählt von seiner Begegnung mit Christus, von seiner Berufung und von der Hoffnung der Auferstehung. Immer wieder macht er deutlich: Es geht nicht um eine neue Religion, sondern um die Erfüllung dessen, was Gott verheißen hat. Jesus ist der Messias. Er ist gestorben. Er ist auferstanden. Und Gott ruft Menschen zur Umkehr.
Schließlich beruft Paulus sich auf sein Recht als römischer Bürger: Er will vor den Kaiser. Damit beginnt die Reise nach Rom – als Gefangener. Die Überfahrt wird dramatisch. Ein schwerer Sturm treibt das Schiff wochenlang über das Meer. Am Ende kommt es zum Schiffbruch. Paulus und alle anderen überleben und stranden auf Malta. Auch dort bleibt Paulus nicht stumm. Er hilft, ermutigt und bezeugt den Glauben.
Dann erreicht Paulus Rom. Die Apostelgeschichte endet nicht mit einem spektakulären Abschluss, sondern mit einem klaren Bild: Paulus lebt in Rom im Hausarrest. Menschen kommen zu ihm, und er verkündet weiterhin das Reich Gottes. Der letzte Eindruck ist bewusst: Die Botschaft von Jesus Christus geht weiter.
Was diese Reisen bis heute bedeuten
Die Missionsreisen des Paulus sind nicht nur Reiseberichte. Sie zeigen, wie die erste Generation Christen die Mitte des Glaubens verstanden hat: Jesus Christus ist der gekreuzigte und auferstandene Herr. Vergebung, Rettung und neues Leben kommen nicht durch religiöse Leistung, sondern durch den Glauben an ihn. Und diese Einladung gilt nicht nur einem Volk oder einer Region, sondern allen Menschen.
Paulus reist durch Städte, Häfen, Gerichte und Gefängnisse. Er begegnet religiösen Menschen, Skeptikern, Intellektuellen, Handwerkern, Frauen mit Einfluss und Menschen am Rand. Überall bleibt die gleiche Frage stehen: Was mache ich mit Jesus Christus?
Denn die Apostelgeschichte erzählt es so, dass am Ende nicht Paulus im Mittelpunkt steht, sondern Christus. Der Herr, der Menschen ruft, der rettet, der verändert – und der wiederkommen wird.