Bibelabend: Die Auferstehungszeugen. Wem der Auferstandene wann erschien – und warum das alles die Welt verändert.

Bibelabend: Die Auferstehungszeugen.
Wem der Auferstandene wann erschien – und warum das alles die Welt verändert.
von Pfr. Carsten Heß

(Es handelt sich hierbei um ein grobes Richtungs-Skript – es gilt das real gesprochene Wort.)

Liebe Schwestern und Brüder,
liebe Gäste,

wenn man die Osterberichte einmal wirklich ernsthaft nebeneinanderlegt, dann merkt man sehr schnell:
Hier wird nichts   beschönigend erzählt.
Hier wird nichts glattgezogen.
Hier wird nichts künstlich vereinfacht.

Hier passiert etwas anderes:
Hier reden Menschen davon, dass ihnen etwas begegnet ist,
was sie selbst zuerst nicht verstanden haben.

Da laufen Frauen zum Grab – und erwarten einen Toten.
Da stehen Jünger hinter verschlossenen Türen – und haben Angst.
Da gehen zwei nach Emmaus – und haben ihre Hoffnung verloren.
Da zweifelt Thomas.
Da kehrt Petrus innerlich an den Anfang zurück.
Und dann steht mitten in all dem:
Der Auferstandene.

Und jetzt ist die große Frage:
Was ist da eigentlich genau passiert?
Wer hat ihn wann gesehen?
Und warum hat das die Welt bis heute verändert?


1. Vorbemerkung: Was ist ein Auferstehungszeuge?

Bevor wir chronologisch durchgehen, müssen wir eine Sache klären.
Ein Auferstehungszeuge ist im Neuen Testament kein religiös sensibler Mensch.
Kein Mensch mit feinem Gespür für Spiritualität.
Ein Auferstehungszeuge sagt:
Der gekreuzigte Jesus lebt.
Gott hat ihn auferweckt.
Und ich bin ihm begegnet.
_
Das ist der Kern.
Und Paulus formuliert das kompromisslos:
Wenn Christus nicht auferstanden ist,
dann ist euer Glaube nichtig.
_
Das heißt:
Hier geht es nicht um eine Ergänzung.
Hier geht es nicht um eine schöne Deutung.
Hier geht es um die Grundlage.
Christentum steht und fällt mit Ostern.


2. Der erste Schauplatz: Das leere Grab

Früher Morgen.
Noch dunkel.
Noch kühl.
Frauen machen sich auf den Weg zum Grab.
Nicht voller Erwartung.
Sondern voller Trauer.
Sie kommen nicht, um zu prüfen, ob er lebt.
Sie kommen, um einen Toten zu ehren.

Und genau das ist entscheidend:
Niemand rechnet mit Auferstehung.
Niemand.

Und dann ist das Grab offen.
Der Stein ist weg.
Der Leichnam ist nicht da.
Und jetzt geschieht etwas, das historisch hoch bemerkenswert ist:
Die ersten Zeuginnen sind Frauen.
Nicht die Jünger.
Nicht die führenden Köpfe.
Nicht die Männer mit Einfluss.
Frauen.

In der damaligen Welt kein starkes Zeugnis –
wenn man es sich ausgedacht hätte.
Aber genau so wird es berichtet.
Weil es so war.


3. Die Engels-Botschaft

Und dann kommt dieser Satz:
Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten?

Das ist kein Trostspruch.
Das ist eine Korrektur.
Ihr sucht falsch.
Ihr denkt falsch.
Ihr habt den Tod überschätzt.

Und trotzdem:
Die Frauen reagieren nicht mit Jubel.
Sie erschrecken.
Sie sind irritiert.
Sie müssen das erst einordnen.
Das ist wichtig:
Der Auferstehungsglaube beginnt nicht mit Begeisterung,
sondern mit Erschütterung.


4. Maria Magdalena

Jetzt wird es ganz persönlich.
Maria bleibt am Grab stehen.
Und sie weint.

Sie hat das leere Grab gesehen.
Sie hat Engel gesehen.
Und trotzdem sagt sie:
Man hat ihn weggetragen.

Das heißt:
Das leere Grab allein reicht nicht.
Glaube entsteht nicht automatisch aus einem Befund.

Und dann steht Jesus da.
Und sie erkennt ihn nicht.
Hält ihn für den Gärtner.
Und dann sagt er ein einziges Wort:
Maria.
(Pause – bewusst stehen lassen)
Und plötzlich erkennt sie ihn.
Nicht an einer Theorie.
Nicht an einer Erklärung.
Sondern daran, dass er sie anspricht.

Das ist Ostern:
Der Auferstandene ruft beim Namen.


5. Die Frauen auf dem Weg

Die Frauen gehen vom Grab weg.
Zwischen Furcht und Freude.
Und auf diesem Weg begegnet ihnen Jesus.
Nicht im Stillstand.
Sondern unterwegs.

Sie fallen vor ihm nieder.
Sie umfassen seine Füße.
Das ist kein inneres Erleben.
Das ist Begegnung.
Und sofort folgt der Auftrag:
Geht.
Sagt es weiter.

Ostern bleibt nie privat.


6. Petrus

Und dann – fast verborgen – eine der wichtigsten Begegnungen:
Jesus erscheint Petrus.

Keine Details.
Keine Ausschmückung.
Aber jeder weiß, was dahinter steht.
Petrus hat versagt.
Hat verleugnet.
Hat alles verloren.
Und genau dieser Mann wird zuerst gesucht.

Ostern stellt nicht nur her,
was zerbrochen ist.
Ostern stellt Menschen wieder auf.


7. Die Emmausjünger

Zwei Jünger gehen nach Emmaus.
Sie gehen weg.
Nicht vorwärts.
Rückwärts.

„Wir hofften …“
Vergangenheit.
Die Hoffnung ist vorbei.

Und Jesus geht mit.
Unauffällig.
Geduldig.
Er hört zu.
Er lässt sie reden.
Und dann öffnet er die Schrift.
Von Mose und den Propheten her.

Das ist entscheidend:
Ostern widerspricht der Schrift nicht.
Ostern erschließt sie.

Und beim Brotbrechen erkennen sie ihn.
Und sagen:
Brannte nicht unser Herz?

Und plötzlich drehen sie um.
Das ist Ostern:
Richtungswechsel!


8. Die Jünger hinter verschlossenen Türen

Abend.
Die Türen sind zu.
Angst ist da.
Und Jesus steht mitten im Raum.

Friede sei mit euch.

Das ist kein Wunsch.
Das ist Wirklichkeit.

Die Jünger erschrecken.
Sie denken, es sei ein Geist.
Und Jesus reagiert ganz konkret:
Seht meine Hände.
Seht meine Füße.
Er isst vor ihnen.

Das ist entscheidend:
Der Auferstandene ist kein Gedanke.
Er ist wirklich da!


9. Thomas

Thomas fehlt.
Und sagt:
Ich will es selbst sehen.

Und Jesus geht darauf ein.
Acht Tage später.
Und Thomas sagt:
Mein Herr und mein Gott.

Der Zweifler wird zum Bekenner.


10. Galiläa

Am See.
Alltag.
Fischen.
Nichts gefangen.
Und dann steht Jesus da.

Und plötzlich wird alles anders.
Netze voll.
Herzen wach.
Und Petrus wird neu beauftragt.

Und auf dem Berg:
Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden.

Das ist die Konsequenz von Ostern:
Der Auferstandene ist Herr.


11. Die Fünfhundert

Paulus sagt:
Mehr als fünfhundert Brüder auf einmal.
(Hinzu kommen noch Frauen und Kinder.)

Das ist keine Privatvision.
Das ist Öffentlichkeit.
Und Paulus sagt:
Die meisten leben noch.

Das heißt:
Fragt nach.
Prüft nach.


12. Jakobus

Der Bruder Jesu.
Vorher skeptisch.
Dann tragende Figur.
Warum?
Begegnung.

Ostern gewinnt Menschen,
die vorher auf Abstand waren.

 

13. Die Himmelfahrt

Jesus wird aufgenommen.
Nicht „aus dem Spiel“ genommen.
Sondern erhöht.

Das ist kein Abschied.
Das ist Inthronisation.


14. Stephanus

Der Himmel öffnet sich.
Christus sichtbar.
Mitten im Sterben.

Ostern reicht über Ostern hinaus.


15. Paulus

Damaskus.
Verfolger.
Und dann:
Saul, Saul, warum verfolgst du mich?

Und Paulus sagt:
Ich habe ihn gesehen.
Ich bin Zeuge.


Chronologische Gesamtschau

Frauen am Grab
Maria
Frauen auf dem Weg
Petrus
Emmaus
Jünger ohne Thomas
Jünger mit Thomas
Galiläa
500
Jakobus
Himmelfahrt
Stephanus
Paulus

Nicht alles exakt zu datieren.
Aber klar in der Linie.

Warum ist das glaubwürdig?
Weil es nicht gestylt ist.
Weil es nicht perfekt ist.
Weil Zweifel drin sind.
Angst drin ist.
Zögern drin ist.

Und genau deshalb:
Wahrheit.

(gleich ENDE:)
Und jetzt kommt das Entscheidende:

Wenn das stimmt –
wenn Jesus wirklich auferstanden ist –
dann ist Ostern kein schönes Gefühl.
Dann ist Ostern der Wendepunkt.

Dann gilt:
Der Tod hat nicht mehr das letzte Wort.
Die Angst hat nicht mehr das letzte Wort.
Die Schuld hat nicht mehr das letzte Wort.

Dann gilt:
Gott ist stärker.
Stärker als das Grab.
Stärker als die Nacht.
Stärker als alles, was uns das Leben nimmt.

Und deshalb lohnt es sich zu glauben.
Nicht billig.
Nicht naiv.
Sondern begründet.

Denn die Zeugen sagen:
Wir reden nicht von einer Idee.
Wir reden vom lebendigen Christus.
ER LEBT…

Ich möchte schließen mit dem ältesten schriftlichen Überlieferung-Stück des Neuen Testamentes:

(Der Christus-Hymnus im Philipperbrief:)

6 Er, der in göttlicher Gestalt war, hielt es nicht für einen Raub, Gott gleich zu sein,?7 sondern entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an, ward den Menschen gleich und der Erscheinung nach als Mensch erkannt.?8 Er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz.?9 Darum hat ihn auch Gott erhöht und hat ihm den Namen gegeben, der über alle Namen ist,?10 dass in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind,?11 und alle Zungen bekennen sollen, dass Jesus Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters.

(UND ERGÄNZEND 1. KOR. 15:)

20 Nun aber ist Christus auferweckt von den Toten als Erstling unter denen, die entschlafen sind.?21 Denn da durch einen Menschen der Tod gekommen ist, so kommt auch durch einen Menschen die Auferstehung der Toten.

»Der Tod ist verschlungen in den Sieg.?55 Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo ist dein Stachel?«[1]?56 Der Stachel des Todes aber ist die Sünde, die Kraft aber der Sünde ist das Gesetz.?57 Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unsern Herrn Jesus Christus!

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