Jens Spahn verhöhnt die Werte der eigenen Partei

Von Ambrosius von Mailand. –
Die CDU verbietet Leihmutterschaft wegen Ausbeutung, Missbrauch und gesundheitlicher Gefahren. – Eine Frau in den USA trug den Sohn aus, dessen Eltern Jens Spahn und sein Ehemann nun sind. Der Fraktionsvorsitzende hat die Grundsätze seiner Partei für das eigene Leben beiseitegeschafft. Nach diesem moralischen Tiefpunkt bleibt nur der sofortige Rücktritt. Der Beschluss zu genau diesem Thema war kaum fünf Monate alt, da führte Jens Spahn ihn öffentlich vor.Im Februar 2026 hatte die CDU die Leihmutterschaft zum Angriff auf den Schutz von Frauen erklärt. Sogar wenn die austragende Frau kein Geld erhält, soll diese Praxis in Deutschland verboten bleiben. Die Partei warnte vor „Missbrauch, Ausbeutung und gesundheitlichen Risiken“ und schrieb ausdrücklich: Leihmutterschaft bleibe „uneingeschränkt verboten“.Im Juli wurde bekannt: Eine Frau in den USA hatte den Sohn ausgetragen und geboren, dessen Eltern Jens Spahn und sein Ehemann Daniel Funke nun sind. Spahn führt ausgerechnet jene Bundestagsfraktion, deren Partei dieses Verfahren wenige Monate zuvor mit deutlichen moralischen Vorwürfen belegt hatte.Damit ist der Fall glasklar. Die CDU sagt: Dieses Verfahren gefährdet Frauen. Jens Spahn zeigt durch sein Handeln: Egal. Für meine Familie kommt es trotzdem zur Anwendung. Kaltschnäuziger kann ein CDU-Funktionsträger an vorderster Front die eigenen Grundsätze kaum aushebeln. Das ist ein historischer Tiefpunkt. Ein maximales Desaster. Eine Vollkatastrophe für Ansehen und Glaubwürdigkeit der Union.

Spahn kann sich nicht darauf berufen, die ethische Problematik erst später erkannt zu haben. Als Bundesgesundheitsminister trug er bereits im Jahr 2020 Verantwortung für eine Regierungslinie, die das Verbot der Leihmutterschaft mit dem Schutz des Kindes begründete. Das Verfahren galt als so schwerwiegend, dass sogar eine begrenzte Öffnung abgelehnt wurde. Jens Spahn kannte sämtliche Argumente. Als sie jedoch den eigenen Kinderwunsch berührten, verloren sie plötzlich ihre bindende Kraft. Genau darin liegt der Skandal.Und Vorsicht: Eine andere Rechtsordnung verändert die moralische Frage um keinen einzigen Millimeter. Die Frau in den USA übernahm Schwangerschaft, gesundheitliche Belastungen und Geburt. Spahn und Funke erhalten die Elternrechte. Der Wunsch lag bei den beiden Männern, die körperliche Belastung bei einer anderen Frau. Einen solchen Vorgang nennt die CDU selbst ausbeutungsgefährdet. Bei ihrem Fraktionsvorsitzenden soll das Urteil offenbar verstummen.

Das Heimtückische: Spahn hat seine Haltung weder erklärt noch korrigiert. Er hat keinen offenen Streit mit der eigenen Partei begonnen. Er hat keinen neuen Kurs gefordert. Stattdessen bleibt das deutsche Verbot bestehen, während Jens Spahn persönlich von genau der Praxis profitiert, die seine CDU anderen aus moralischen Gründen verwehrt. Damit schafft Spahn eine Ausnahme in eigener Sache.

Dieser Vorgang entlarvt zugleich die Skrupellosigkeit eines solchen Dilemmas: Wer weder Geld noch Kontakte noch Zugang zu amerikanischen Anwälten und Kliniken besitzt, bleibt an das deutsche Verbot gebunden. Wer dagegen reich, mächtig und international beweglich ist, kann die Rechtslage gezielt austricksen.

Die CDU liefert die moralische Argumentationsgrundlage. Privilegierte organisieren sich die Hintertür. Und an der Spitze dieses Zweiklassensystems steht ausgerechnet der CDU/CSU-Fraktionsvorsitzende: Jens Spahn. Also genau der Mann, der im Deutschen Bundestag für die gesamte Union spricht. Damit macht er klar, dass Grundsätze der Union im entscheidenden Augenblick nur Papier sind.

Ebenfalls schräg: Ausgerechnet der frühere Bundesgesundheitsminister behandelt den Schutz von Frauen und Kindern wie eine Vorschrift, deren praktische Folgen aber nur die anderen tragen sollen. Spahn macht damit deutlich, dass grundlegende politische Maßstäbe für ihn verhandelbar werden, sobald sie den eigenen Lebensplan betreffen.

Damit hat Spahn nicht allein seine persönliche Glaubwürdigkeit verspielt. Er hat die gesamte Union bloßgestellt.

Eine Partei, die „uneingeschränkt verboten“ beschließt und anschließend ihren Fraktionsvorsitzenden gewähren lässt, obwohl dieser genau jenes Verbot für das eigene Leben bedeutungslos macht, ist damit blamiert bis auf die Knochen. Nun sind Grundsätze nur noch Dekoration für Parteitage: feierlich beschlossen, wirkungslos im Ernstfall.

Dieser Fall markiert deshalb den extremsten Tiefpunkt für die CDU und für eine Regierung, deren größte Fraktion eben dieser Jens Spahn führt.

Politische Autorität entsteht normalerweise durch die Übereinstimmung von Wort und Tat. Spahn liefert nun das genaue Gegenteil: strenge Forderungen nach außen, größtmögliche Freiheit für sich selbst. Ein Spiegelbild seines besorgniserregend defizitären Charakters.

Wer die eigenen Parteigrundsätze derart offen verhöhnt, kann die Uniionsfraktion im Deutschen Bundestag keinen weiteren Tag glaubwürdig führen. Jens Spahn muss sofort als Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion zurücktreten.

P. S. (17.07.2026):
Mittlerweile ist Spahns Verbleib im Amt selbst zum politischen Skandal geworden. Ein Mann, dessen Autorität zerbrochen ist, klammert sich an den Fraktionsvorsitz und zwingt die gesamte CDU, für seine persönliche Machtgier zu bezahlen. Vertrauen schwindet, Wähler wenden sich ab, die politische Konkurrenz profitiert. Ausgerechnet im Vorfeld der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt macht Spahn seine eigene Karriere zum Risiko für die Zukunft der Union und zum Schaden für Deutschland.
Dieses groteske Schauspiel muss enden. Spahn hat seinen Rücktritt noch vor Beginn der neuen Woche zu erklären. Verweigert er ihn, muss die Unionsfraktion ihn unverzüglich abwählen. Wer ihn danach weiterhin im Amt hält, schützt keinen Politiker mehr, sondern verlängert vorsätzlich den Schaden, den ein einzelner Mann aus Eitelkeit und Machtbesessenheit einer ganzen Partei und dem Land zufügt.